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Interview mit Nadeshda

Liebe Community, schon eine ganze Weile war es ruhig in Sachen Interviews auf dem COSMiQ-Blog – das soll sich heute aber ändern.  weiter ...



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Monleyca
Monleyca (Rang: Mileva Einstein5)

Stottern-Welche Ursachen bei kleinen Kindern?

Warum stottern kleine kinder? welche ursachen oder auslöser gibt es?mein patenkind ist 2 und hat sehr schlimm gestottert. die psychologin hat seiner mummy dann einen rat gegeben und das stottern war sofort weg. ich kann das gar nicht glauben, will jetzt auch nicht sagen was der auslöser bei diesem fall war. aber hat jemand infos über die ursachen?


Ergänzung vom 03.06.2008 01:32:

gibt es vielleicht auch formen des stotterns die nicht krankhaft pysiologisch verursacht werden, sondern vielleicht psychisch?

3 Antworten

375071
Shivana21

Shivana21

Rang: Chien-Shiung Wu (8.326) | gesundheit (549)

10 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (03.06.2008 01:23)

1

Habe dazu in Heilpädagogik mal ein Referat halte nmüssen. Hier ist ein Ausschnitt davon:

Ursache des Stotterns nach Schulthess:
- Sch. sah die Ursachen des Stotterns in einer „...krampfhaften Affektion der Muskeln der Stimmbänder, wodurch der Einfluss des Willens auf diese Organe, und somit auf das Hervorbringen der Stimme beim Sprechen, momentan aufgehoben oder verzögert wird.“ (Q.: Böhme, S. 10)

2. Die Häufigkeit und die Verteilung des Stotter-Syndroms
- erfasst man alle Alterstufen und beide Geschlechter, dann leiden etwa 1% der Gesamtbevölkerung vorübergehend oder dauernd an einem Stotter-Syndrom,
- es entsteht überwiegend in der Kindheit (in der Abschlussphase der Sprachentwicklung), bei über 50% der Betroffenen entsteht das Stotter-Syndrom im Alter zwischen 3 und 6 Jahren

Einteilung in drei Abschnitte: Erstmaliges Auftreten des Stotter-Symptoms
1.) während oder nach der Sprachentwicklung (zwischen dem 3. und 6. Lebensjahr)
2.) zur Zeit der Einschulung (zwischen dem 6. und 8. Lebensjahr)
3.) während der Pubertät (zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr)

- es manifestiert sich hauptsächlich in der Kindheit und schließt häufig an eine Sprachentwicklungsverzögerung an
- ein primäres Stotter-Symptom entwickelt sich nur selten im Erwachsenenalter, es besteht in den meisten Fällen schon seit der Kindheit (Erwachsene leiden demzufolge an chronischem Stottern
- ein Vergleich der Geschlechterverteilung verdeutlicht, dass deutlich mehr Knaben vom Stotter-Syndrom betroffen sind, dabei steigt mit zunehmendem Alter die Häufigkeit beim männlichen Geschlecht (Verteilung ca. 1 : 4, später höher)

3. Ätiologie uns Symptomatik des Stotter-Symptoms (Erklärungsansätze und symptomatische Entwicklung – Einzelfallorientierte Erklärungsmodelle)
- eine allgemeine Definition mit hinreichendem Erklärungswert wurde bisher nicht gefunden, man versucht das Stottern daher symptompathologisch zu erfassen
- Stottern wird als eine Kommunikationsstörung charakterisiert, bei der überzufällig häufige Unterbrechungen im Redefluss auftreten,
- sie treten plötzlich auf und sind unbeherrschbar, dabei handelt es sich um angespannte, schnellrhythmische Wiederholungen von Lauten, Silben, Worten oder ganzen Satzteile (Kloni = krampfartige Iterationen) oder aber um Wiederholungen, die durch krampfartige Blockaden (Toni) den flüssigen Sprechfluss verhindern
- je nach Art des Redeflusses kann man demnach drei Stotterformen unterscheiden:

1.) klonisches Stottern (z.B. T-t-t-tisch, Laut- und Silbenkloni)
2.) tonisches Stottern (z.B. P-apa, Hi-ilfle, tonische Blockierungen und Dehnungen)
3.) klonisch.-tonisches Stottern (Kombination, dabei kann eine Form dominieren)


Ergänzung vom 03.06.2008 01:24:

4. Symptomatische Entwicklung des Stotterns:

- Stottern kommt teilweise auch in der normalen Sprache in anstrengenden oder belastenden Situationen vor,
- erschwerend kommt hinzu, dass die Überwindungsversuche bei Blockaden beim Stottern häufig nur sichtbar und nicht hörbar sind, die Symptomatik wird durch Vermeidungsstrategien verdeckt, sodass der Schweregrad des Symptoms verdeckt bleibt
 als Hauptsymptome werden eine krampfhafte Gestenmimik, tonische Blockierungen und Dehnungen und/oder die Laut- und Silbenkloni genannt,
 es bedarf jedoch einer Relativierung und Ergänzung:
- die Exzessivität der Symptomatik ist kein alleiniger Indikator,
- es gehen auch „innere Momente“ mit der Symptomatik einher, dazu zählen das Störungsbewusstsein, Angst, Leidensdruck und Isolation,
- „...der Stotternde erlebt seine Symptomatik als bedrohlich und gefährdend...“
- das Stottern erzeugt zusätzlich eine Außenwirkung: durch das Stottern wird die Verständlichkeit einer Äußerung, als auch das weiter Konzipieren gestört (Störung der Kommunikation)


Ergänzung vom 03.06.2008 01:33:

1. entwicklungsbedinngte Sprechunflüssigkeiten und Redeunterbrechungen --> beginnendes Stottern

2. angespannte Wiederholungen und Dehungen von Lauten oder Silben, stille Pausen --> chronisches Stottern

3. Toni und Kloni, Mitbewegung und Anstrengung, Störungsbewusstsein vorhanden --> manifestes Stottern

4. das führt zu vegetativen Symptomen

5. und hat psycho-soziale Folgen - Sprechangst


Ergänzung vom 03.06.2008 01:34:

1) Definition

- Redeflussstörung o. Sprechablaufstörung mit häufigen Unterbrechungen im Redefluss

2) Symptomatik

- sprachliche Begleitsymptome:
- Umformulierung mit Ersetzen von Wörtern
- Neubeginn mit Satzumstellung
- Gebrauch von Synonymen o. Umschreibungen
- ungewöhnliche Pausen zwischen Lauten o. Silben eines Wortes o. zwischen Wörter
- Laut-, Silben- und Wortwiederholung
- Lautdehnung
- Unterb rechung des Luftstroms

- nichtsprachliche Begleitsymptome:
- Zittern von Lippen, Unterkiefer u. Zunge
- Unregelmäßigkeiten der Sprechatmung
- erhöhter Krafteinsatz beim Sprechen
- starke Pressversuche beim Stottern
- Augenzucken, Kopfnicken
- Einsatz von Flicklauten



- verdeckte Symptome:
- negative Gefühle, Reaktionen u. Einstellungen auf das Stottern, die
meist nur erfragt werden können (z.B. Angst, Scham, Frustration)

- Stottern unterliegt situativen Schwankungen:
- psychischer und sozialer Stress wie z.B. Zeitdruck, Unsicherheit, Angst vor bestimmten Kommunikationspartnern, vor großen Gruppen, vorm Telefonieren oder vor fremden Situationen
- physischer Stress wie z.B. körperliche Überanstrengung, Übermüdung, Krankheit
- linguistischer Stress wie z.B. Reden über längeren Zeitraum – sprachliche Erschöpfung

3) Beginn

- überwiegend im Vorschulalter, selten im Grundschulalter u. fast nie nach 10. Lebensjahr
- Zeitpunktbestimmung aber abhängig davon, wann Eltern erkennen, dass Kind stottert
- Arten: entweder mit 2-3 Jahren zu Beginn des Sprechens oder mit 4-5 Jahren nach vorherigem flüssigem Sprechen
- Jungen sind ca. 3x häufiger betroffen als Mädchen
- Stottern wird häufiger von Mutter als von Vater vererbt
- dennoch: die meisten stotternden Kinder sprechen nach wenigen Jahren flüssig – ca. 1% stottert bis ins Erwachsenenalter


Ergänzung vom 03.06.2008 01:35:

4) Beginn, Aufrechterhaltung, Verlauf

- disponierende Bedingungen ( Vererbung, prä-, peri- u. postnatale Einflüsse, frühkindliche Entwicklungsbedingungen):

- 1) Stottern als Folge einer Wahrnehmungsstörung:
- auditive Sinneskanal dient der Aufnahme u. Verarbeitung der
Sprache (Kind muss sich zuhören u. seine Sprachleistung mit denen anderer Personen vergleichen u. eventuell korrigieren)
- während Übergangsphase wird unreife Gehirn, das sich noch
entwickelt, mit Infos überschwemmt u. so desintegriert, dass Outputleistungen des Gehirns nicht genügend koordiniert werden können – Stottern ist dann die Folge

- 2) Stottern als Folge einer unzureichenden Lateralisation sprachlicher Funktionen :
- normaler Sprechablauf wird von der linken Hemisphere gesteuert
- beim Stottern kommen Irritationen der linken Hemisphere aus der rechten H.

- 3) Stottern als Ausdruck einer neuromotorischen Koordinationsstörung:
- Stotterer bewältigen komplexe motorische Aufgaben langsamer als flüssig sprechende Personen

- auslösende Faktoren (=chronifizierend, generalisierend u. stabilisierend):

- Stottern wird von mehreren Faktoren beeinflusst:
- physiologische Faktoren wie z.B. Reaktionszeit, Motorik, sensorische Wahrnehmungsprozesse
- psychosoziale Faktoren wie z.B. Persönlichkeits-, Einstellungs- und Verhaltensmerkmale der Eltern, Familieninteraktion, intraspezifische Besonderheiten des Kindes
- psycholinguistische Faktoren wie z.B. Sprach- und Sprechentwicklung, Semantik, Phonologie, Syntax, Prosodie, Pragmatik
- jedes Kind hat individuelle Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen und verändern können
- Stottern kann länger andauern als nötig, wenn Eltern stotterfördernde Verhaltensweisen entwickelt haben – dadurch Weg zum flüssigen Sprechen behindert

2 Kommentare

445632
TaylorMade
TaylorMade

wauuu, echt jetzt

375071
Shivana21
Shivana21

Tja, die Professoren hat die Kopie davon auch behalten. Nachher setze ich noch eins drauf, alles, was ich zur Geschichte des Stotterns habe, könnte ich noch anfügen, das ist auch sehr, sehr interessant und informativ!

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2 Kommentare

251005
want2knowmore

want2knowmore

Rang: Leonardo daVinci (12.447) | gesundheit (20)

17 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (03.06.2008 01:31)

2

Das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Stotternden im Erwachsenenalter liegt etwa bei 1 : 4. Stottern beginnt meist im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Jungen sind dabei etwa fünfmal so häufig betroffen wie Mädchen. Dies ist übrigens ein Verhältnis, wie es auch bei anderen Entwicklungsstörungen auftritt.
Die Ursache für das Stottern ist derzeit unbekannt. Es gilt aber als sicher, daß Stotternde ansonsten volkommen normale Menschen sind - mit all den positiven und negativen Eigenschaften, die andere Menschen auch besitzen.

Stottern muß nicht unbedingt vererbbar sein. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn sich in den Familien Stotternder auch Personen mit Sprachstörungen befinden, die durchaus anderer Natur sein können. Die Wissenschaftler sprechen hierbei von einem familiären Sprachschwächetypus.

Stotternde sprechen vollkommen flüssig wenn sie flüstern, im Chor sprechen ("unisono"), singen und wenn sie ihre eigene Stimme nicht hören können. Warum dies so ist, wurde bisher nicht geklärt.

Stottern ist ein vielschichtiges Phänomen und tritt bei jeder betroffenen Person unterschiedlich auf.

Stottern ist keine Sprechstörung, welche schnell behoben werden kann. Es ist ein großer zeitlicher Aufwand und ausdauerndes Training von Seiten der Betroffenen nötig, damit anhaltende Verbesserungen erzielt werden können.

Stottern ist derzeit im medizinischen Sinne nicht heilbar, es kann jedoch viel unternommen werden! Aktuelle Forschungsergebnisse haben ergeben, daß neurologische Komponenten scheinbar einen wichtigen Anteil am Stottern besitzen.
http://www.sprachheilpaedagogik.de/stottern/stottern/stottern/wissenswertes.html kopieren


Ergänzung vom 03.06.2008 01:34:

Kurze Einführung
Das Phänomen Stottern ist seit über zweitausend Jahren bekannt. Forscher und Praktiker versuchen seitdem, den Problembereich theoretisch zu klären und therapeutische Hilfen bereitzustellen.

Noch vor einigen Jahren vertraten einige Autoren die These, daß Stottern eine rätselhafte Redestörung sei. Die Formulierung einer solchen These übersieht, daß sich im Laufe der Jahrhunderte ein reiches Wissen über das Phänomen Stottern gebildet hat. Auch die aktuelle Forschung, deren Entwicklung der letzten Jahre gekennzeichnet ist von einer integrativen Sichtweise der unterschiedlichsten Forschungsergebnisse, hat gezeigt, daß das Stottern nicht rätselhaft ist, sondern daß dieses Phänomen durchaus systematisch beschrieben werden kann. Es konnte ein umfangreiches Grundwissen zur Phänomenologie des Stotterns entstehen, das besonders im Hinblick auf Symptomatik, Entstehung und Entwicklungsverlauf des Stotterns innerhalb der Forschung einen breiten Konsens findet.
Wissenschaftliche Bestrebungen, die Ursachen des Stotterns zu ergründen, finden bis heute noch keinen Konsens. Es sind neben rein psychologischen Erklärungsversuchen inzwischen auch neuropsychologische und neuropsychologisch-neurophysiologische Erklärungsansätze entwickelt worden.
Im Gegensatz zu dem umfangreichen Grundwissen zum Phänomen des Stotterns und den genannten Erklärungsversuchen, stehen diesen eine Fülle unterschiedlichster Therapieformen zur Behandlung des Stotterns gegenüber.
An dieser Stelle wird im Hinblick auf die Stottertherapie ein Problem deutlich, das tragischerweise besonders in der Praxis auftritt und dort Verwirrung stiftet
http://www.sprachheilpaedagogik.de/stottern/stottern/stottern/einfuehrung.html kopieren

Definition des Stotterns
Es erscheint zunächst einfach, Stottern unter dem Gesichtspunkt der Symptomatik zu beschreiben. Wird diese Beschreibung jedoch näher betrachtet, wird schnell deutlich, daß selbst scheinbar umfassende Definitionen wie "Stottern ist eine auffallend häufige Unterbrechung im Redefluß" nicht als allgemeingültig angesehen werden können.

Da aufgrund perfektionierter Vermeidungsstrategien seitens der Stotternden die Symptome häufig nicht wahrnehmbar sind und sogar erfahrene Therapeuten dadurch getäuscht werden, ist jeder Versuch, das Stottern zu definieren, nur unzureichend.

Es kann hier durchaus festgestellt werden, daß bis heute keine Definition existiert, die die gesamte Vielfalt des Stotterns berücksichtigt und als allgemeingültig betrachtet werden kann.

Da jedes Stottern seine individuelle Symptomatik besitzt, liegt der Schluß nahe, daß jeder Stotterer eine individuelle Therapie durchlaufen sollte. (Innerhalb der verschiedenen Therapieverfahren wird dies jedoch unterschiedlich gesehen).
http://www.sprachheilpaedagogik.de/stottern/stottern/stottern/definitionen.html kopieren

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125897
shipsi

shipsi

Rang: Master (1.313) | gesundheit (97)

107 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (03.06.2008 03:00)

3

schneller denken als sprechen -- koordinierung der beiden gehirnhälften --- oder einfach angst

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