Diese Frage ist gespeichert in:

Anzeige


Neueste Antworten

773025
KeinWissen
KeinWissen (Rang: Albert Einstein)

jemandem Vorwürfe machen. Verwendung in der Psychologie. Vorteilhaft oder Unnützt. Befreiend oder Zerfressend?

Hallo,
also jemanden Vorwürfe machen im rechtlichen Sinne, hat schon Hand und Fuß.

Wie sieht es aber im psychologische Sinne aus?
Wo ist hier der Vorteil jemandem Vorwürfe zu machen. (zB nach Beendigung einer Beziehung).
Wozu sind hier Vorwürfe gut, für Dinge die unabänderbar sind.
Jemandem in dem Fall Vorwürfe zu machen "Du hast aber...", "Du hast nie...."" usw. ist das eher eine Befreiung und eine Selbstfolterung?
Und wie wirkt sich das auf Menschen aus die Vorwürfe machen wollen und nicht können (weil die betreffende Person nicht greifbar ist)
Und wie ist es mit Selbstvorwürfen?
Wozu ist das für die Seele alles gut?

Gibt es dazu irgendwelche Studien, oder Links die das erklären können?

4 Antworten

643675
schnuffelchen8972

schnuffelchen8972

Rang: Mileva Einstein2 (27.226) | Psychologie (231), Selbstvorwürfe (5), Vorwürfe (5)

69 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (24.03.2010 17:58)

1

Hallo, folgendes könnte sehr interessant sowie hilfreich für Dich sein.

Stelle dir folgendes vor:
Von Wölfen und Giraffen

In der bildhaften Terminologie von Rosenberg leben wir seit 8000 Jahren in einer Wolfswelt und sprechen eine Wolfssprache (egal ob in China, Russland, Amerika oder Deutschland). Der "Wolf" bewertet und klassifiziert alles, er interpretiert, er kritisiert, er analysiert und er weiß immer was mit anderen nicht stimmt bzw. was sie falsch machen. Er lobt und straft bzw. droht mit Strafen (oder Liebesentzug). Er meint ein objektives Bewertungssystem zu haben und spricht in "Du-bist-Sätzen". Er achtet auf Regeln und Normen, fühlt sich meist im Recht und sucht sofort nach Schuldigen. Allerdings resultiert daraus auch, dass er bei wolfsähnlichen (wertenden, kritisierenden) Aussagen an seine Adresse sich sofort schlecht, angegriffen, verletzt, schuldig oder nicht respektiert fühlt, was automatisch weitere wölfische Verhaltensweisen wie Rechtfertigung, Gegenattacken oder Verschließen auslöst usw.. Somit sind Wölfe (und Wölfinnen) meistens mit sich und ihrer Umwelt in emotionalen, mentalen und verbalen Krieg. Wolfsverhalten ist eine permanente Quelle von Gewalt, Macht und Ohnmacht.

Nehmen wir ein paar typische Vorwürfe:

Stell Dich nicht so an! Wie kannst Du so etwas nur tun? Du bist so egoistisch!
Nach Rosenberg gibt es dazu 2 "wölfische" und 2 "giraffische" Reaktionsmöglichkeiten:

1. wir geben uns selbst die Schuld, d.h. nehmen es persönlich, fühlen uns schuldig oder schlecht. Reaktion: Scham, Angst, Reue, Unsicherheit, beleidigt, verletzt, Trotz, Rechtfertigung
2. Wir geben dem anderen die Schuld und greifen ihn an:" Was bildest Du Dir ein?", "Wie kannst Du so was sagen?", "Schau Dich doch mal an!"

Daraus ergibt sich zwangsläufig ein unbefriedigender leicht eskalierender Pingpong-Dialog mit dem Schlusssatz: "Du hast keine Ahnung!" – "Du verstehst mich nicht!"

Um giraffisch reagieren zu können, muss man zwei Grundannahmen der GfK verstanden haben:

1. Was andere sagen oder tun mag ein Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie die Ursache - und umgekehrt: was ich sage oder tue, mag Auslöser für Gefühle beim anderen sein, ist aber nie die Ursache. Kurz: Keiner kann dir Gefühle machen! Wenn Du dich über etwas ärgerst ist es dein Problem. Allein dieses Wissen nimmt enorm viel Sprengkraft aus jedem inneren und äußeren Konflikt.
2. Jemanden zu verstehen, heißt nicht, ihm recht zu geben!

http://www.wege.org/psychologie-gewaltfreie-kommunikation-von-marshall-b-rosenbe... kopieren

Wenn du zu all dem noch Fragen hast, stehe ich gern zur Verfügung :-)

1 Kommentar

773025
KeinWissen
KeinWissen

Super Text. Dankeschön. Ich werde, wenn ich darf, dazu nochmal ein paar Fragen an Dich richten. Aber Danke erstmal

Dein Kommentar zu dieser Antwort

Noch nicht registriert bei COSMiQ?
Melde dich hier an!

Bewertung des Fragestellers:

Top

Gute Antwort meinen:

letzte 10 Meinungen:

[Fenster schließen]
0

Als gute Antwort bewerten

Kommentare zur Antwort:

1

1 Kommentar

833528
abc321

abc321

Rang: Einsteigerin (0) | Psychologie (226), Vorwürfe (5), Selbstvorwürfe (5)

4 Stunden nachdem die Frage gestellt worden ist (24.03.2010 20:39)

2

Jemanden etwas vorzuwerfen hat den Effekt, dass die Person sich dann rechtfertigen will/möchte/muss.
Wenn du etwas erreichen willst, dann keine "Du"- Botschaften: du hast mich verletzt, als du das und das getan hast- sondern: ich bin verletzt, weil du das u das getan hast...
Ist die Person, welche dich veletzt hat, nicht mehr greifbar, so tut es der Seele als Befreiungsaktion gut, einen Brief zu schreiben mit allem, dass verletzt hat. Diesen Brief muss man nicht absenden.. es tut einfach gut es los zu werden


Ergänzung vom 25.03.2010 20:09:

Bezüglich deiner Frage zu den Selbstvorwürfen, hab ich hier etwas wissenschaftliches entdeckt:
"Opfer von Schicksalsschlägen stellen oft die Frage, wer verantwortlich ist für die Ereignisse, für die erlittenen Verluste und Beeinträchtigungen. Sie erleben sich nicht selten als Opfer unverantwortlichen Handelns anderer oder eines ungerechten Schicksals. Die Frage "Warum ich?" kann Ausdruck der Frage nach Gerechtigkeit sein.
Welche Auswirkungen hat erlebte Ungerechtigkeit, haben Verantwortlichkeitszuschreibungen auf die erlebte Belastung durch Querschnittlähmung und deren Bewältigung? Unsere Vermutung ging dahin, daß Querschnittgelähmte, die sich als Opfer eines unverdienten Schicksals, fehlbaren Verhaltens oder ungerechter Behandlungen erleben, emotional zusätzlich belastet sind und größere Schwierigkeiten haben, ihre Behinderung anzunehmen und deren Folgen zu bewältigen. Aber auch Schuld wegen eigenem Fehlverhaltens oder vermeidbarer Fehler sollte zusätzlich zu den Verlusten und Beeinträchtigungen emotional belasten.
Allerdings haben Bulman und Wortman (1977) die Beobachtung gemacht, daß Selbstvorwürfe (self-blame) mit einer besseren Bewältigung der Querschnittlähmung einhergingen. Seither ist die mögliche Wirkung von Selbstvorwürfen umstritten. Verschiedene Effekte von Selbstvorwürfen sind theoretisch möglich. Selbstvorwürfe können zu Ärger über sich selbst oder zu Schuldgefühlen führen, sie können das Gefühl, machtlos einem Schicksal ausgeliefert zu sein und daraus resultierende Hilflosigkeit reduzieren, sie können Empörung und Schuldvorwürfe gegenüber anderen und Ungerechtigkeitsgefühle gegenüber einem Schicksal ersparen. Das heißt, die Wirkung von Selbstvorwürfen kann nicht als einheitlich erwartet werden, sondern hängt wohl von den Emotionen ab, die durch Selbstvorwürfe erzeugt oder verhindert werden (Montada, 1992). Es verwundert deshalb nicht, daß die Empirie über die Effekte von Selbstvorwürfen sehr widersprüchlich ist. In der Mehrzahl der Arbeiten werden negative Effekte auf Bewältigungsindikatoren berichtet (für einen Überblick vgl. Dalbert, 1995)."
Quelle:
http://psydok.sulb.uni-saarland.de/frontdoor.php?source_opus=144 kopieren

2 Kommentare

773025
KeinWissen
KeinWissen

Super Zusatz. Danke

833528
abc321
abc321

Bitte- gern geschehen.

Dein Kommentar zu dieser Antwort

Noch nicht registriert bei COSMiQ?
Melde dich hier an!

Bewertung des Fragestellers:

Top

Gute Antwort meinen:

letzte 10 Meinungen:

[Fenster schließen]
0

Als gute Antwort bewerten

Kommentare zur Antwort:

2

2 Kommentare

821517
cimi

cimi

Rang: Juniorprofessor (3.796) | Psychologie (218), Selbstvorwürfe (5), Vorwürfe (5)

9 Stunden nachdem die Frage gestellt worden ist (25.03.2010 00:51)

3

Vielleicht stärken Vorwürfe das eigene Ego.

Werten wir uns nicht selbst auf, wenn wir jemandem Vorwürfe machen?

Wird durch den Glauben die Schuld oder Ursache liegt bei anderen, eine Wertschätzung des eigenen Ichs vollzogen?

Gibt es berechtigt Vorwürfe? Ja- ich denke man kann berechtigte Vorwürfe aus bspw. sozialer, pädagogischer oder wissenschaftlicher Sicht, als konstrutive Kritik sehen.

Die Wahrnehmung von Unterschieden und Trennung von Ich und Du-die Induvidualität- lässt uns den anderen, als sich von uns getrenntes Wesen wahrnehmen, dass sich von unseren eigenen Ideen-,Werte- und Moralvorstellungen grundlegend unterscheidet.

0 Kommentare

Dein Kommentar zu dieser Antwort

Noch nicht registriert bei COSMiQ?
Melde dich hier an!

Bewertung des Fragestellers:

Top

Gute Antwort meinen:

letzte 10 Meinungen:

[Fenster schließen]
0

Als gute Antwort bewerten

Kommentare zur Antwort:

0

Kommentar abgeben

287603
Teddybaer144

Teddybaer144

Rang: Albert Einstein6 (87.077) | Psychologie (141)

7 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (24.03.2010 16:57)

4

dafür gibt es kein patentrezept.
vorwürfe machen kann ein durchaus legitimes und sinnvolles mittel sein, den anderen damit zu "öffnen", aus seiner überheblich-schweigsamen position zu einer gegenreaktion / verteidigung zu bringen und damit letztendlich eine befreiende diskussion auszulösen.
allerdings geschieht auch sehr oft das gegenteil: statt dieser sich öffnenden verteidigungsstrategie mauert der andere erst recht und blockiert ab diesem zeitpunkt alle gespräche.
also ist das ganze mit grosser vorsicht anzuwenden und setzt grosse psychologische kenntnisse voraus um nicht im gegenteil von dem zu enden, was man beabsichtigt hatte.

5 Kommentare

773025
KeinWissen
KeinWissen

Nun ja, nicht jeder "Otto-Normale" hat psychologische Kenntnisse und dennoch werden tagtäglich Vorwürfe gemacht.

Meine Frage war aber eigentlich wozu das ganze gut ist und was das ganze mit der Seele des Vorwerfenden macht. Das kann doch nur zerfressend wirken.

287603
Teddybaer144
Teddybaer144

diese tagtäglichen vorwürfe bewirken eben dann in der regel ein abschotten oder wie du es nennst "zerfressen".

am besten wäre es sicherlich, keine vorwürfe zu machen, aber das setzt voraus, dass der andere kritikfähig ist und sich einer konstruktiven kritik stellt. aber nachdem da viele auch einfach mauern, .....

für den selbst, der vorwürfe macht, können die auch befreiend wirken, wenn/weil er damit seine probleme artikulieren kann.

773025
KeinWissen
KeinWissen

Was wäre es dann für ein psychologischer Weg einem Menschen, der zB jemanden endlos Vorwürfe machen möchte/könnte weil er zutiefst verletzt ist, zu helfen, da er diese Vorwürfe nicht an die betreffende Person loswerden kann und ihn genau das seelisch zerfrißt?

773025
KeinWissen
KeinWissen

Und auch zum Inhalt meiner Frage.....WOZU sind Vorwürfe gut wenn etwas unabänderlich ist?

287603
Teddybaer144
Teddybaer144

für einen selbst: sich zu befreien, wenn man das sonst nicht anders loswird.
wenn er die vorwürfe nicht machen kann, weil der andere nicht greifbar ist, dann entweder mit einer vertrauensperson drüberf reden (sich alles von der seele reden), oder alles niederschreiben. dadurch kommt ordnung in seine gedanken und das kann ihm viel weiterhelfen.

Dein Kommentar zu dieser Antwort

Noch nicht registriert bei COSMiQ?
Melde dich hier an!

Bewertung des Fragestellers:

hilfreich

Gute Antwort meinen:

letzte 10 Meinungen:

[Fenster schließen]
0

Als gute Antwort bewerten

Kommentare zur Antwort:

5

5 Kommentare

Diese Frage ist bereits geschlossen, daher sind keine Antworten mehr möglich. Du kannst jedoch einzelne Antworten kommentieren oder einen Kommentar hinterlassen.


  • Kommentare

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Nicht gefunden wonach Du suchst?

Dann stelle Deine Frage doch schnell und kostenlos!