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LeCroissant
LeCroissant (Rang: Albert Einstein11)

Wieso wollen oder können studierte Ärzte/Personen keine einfachen Tätigkeiten mehr durchführen? Steht das EGO im Weg oder warum werden einfache Aufgaben umständlich delegiert? Ist man sich zu Schade?

Neulich war ich wieder einmal im Klinikum und hatte ein paar Herzproblemchen. Eigentlich dachte ich, dass der Arzt mich gleich einmal durchcheckt, ein EKG macht und v.a. auch Puls/Blutdruck misst. Doch wieder einmal kam der Arzt, sagte kurz Hallo und rief dann per Funk bzw. Rufanlage eine Schwester und verschwand. Dies ist mir jetzt schon oft aufgefallen. Klar, ein Arzt hat bestimmt viel zu tun aber Puls-/Blutdruckmessung usw. dauert ja jetzt auch nicht so lange und das "rufen" und "warten" ist umständlich. Ab und an habe ich es auch erlebt dass der Arzt wartete und nichts tat.

Dies ist mir aber schon sehr oft und auch bei anderen Berufsgruppen aufgefallen. Besonders bei "studierten" Personen. Unsereins ist sich zu nichts zu Schade und reagiert entsprechend auf die Situation.

Wie lässt es sich also erklären, dass besonders "solche" Menschen abgehoben sind und einfache Aufgaben "delegieren" obwohl es zu keiner Zeit "nötig" wäre oder die eigenständige Durchführung schneller von statten gehen würde?

Habe da eben schon viel erlebt. Oder mein Steuerberater:
Mein Steuerberater ist Prof. Dr. jur. + Diplom Kaufmann. Dennoch hat er seine Saftschubse bzw. Sekretärin gerufen um einen Ordner zu suchen. Nicht einmal zwei Meter vom Schreibtisch entfernt standen die Akten/Ordner. Die Dame kam herein, schaute kurz und übergab den Ordner. Sind solche Menschen abgehoben oder meinen solche Menschen, dass man durch "einfache" Tätigkeiten weniger WERT wäre?
Es ist doch egal was man ist und/oder kann. Mensch ist Mensch!

Solche Sachen verstehe ich irgendwie nicht.
Wird man abgehoben, eingebildet und faul durch Studium?
Bildet man sich "mehr" ein als man ist? Färbt dies ab?
Wenn dem so ist, dann lasse ich dies lieber sein und bleibe "NORMAL".
Wären es extreme Situationen oder die Notwendigkeit wäre gegeben, dann könnte ich dies als "NORMALER" Mensch nachvollziehen aber so nicht.

Wer hat solche Erfahrungen auch machen müssen bzw. wer kann dies erklären? Wo liegen die Gründe für solch ein Verhalten?

Wer kann mir dies erläutern?^^


Ergänzung vom 02.07.2011 12:45:

Ach ja, bevor es zu Missverständnissen kommt:
Ich will hier nicht pauschal über einen Kamm scheren usw.
Mir ist dies eben "nur" sehr oft aufgefallen und dass es Ausnahmen gibt, ist mir auch klar. Ich habe hohen RESPEKT vor Ärzten und anderen Menschen aber bin eben gegen FAULHEIT und ARROGANZ.

2 Antworten

910556
seikor

seikor

Rang: Nobelpreisträger (6.371) | Verhalten (41), Anstand (9), Delegieren (8)

14 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (02.07.2011 12:55)

1

Jeder hat seinen Job. Wenn eine einfache Arbeit jemand machen kann, der dafür Zeit hat und dafür ausgebildet ist, dann soll derjenige auch diese Arbeit machen.
Der höher qualifizierte Arbeiter sieht, dass diese Arbeit zu machen ist und deligiert sie entsprechend. Dafür - und das ist das Entscheidende - hat er mehr Zeit für die Arbeiten, die die höhere Qualifikation erfordern und die der einfachere Arbeiter überhaupt nicht erledigen kann.

Das hat also nichts mit Geringschätzung oder "weniger wert" zu tun, sondern mit simpler Arbeitsteilung.
Durch ein Studium wird man halt einfach zu entsprechend höher qualifizierten Leistungen befähigt, dass es vielleicht deutlicher auffällt.
Und wenn ein Anwalt die Sekretärin einen Ordner suchen lässt, dann kann der Anwalt in dieser Zeit ganz andere Probleme lösen und Arbeiten erledigen (und sei es "im Kopf"), durch die er überhaupt erst sein Geld verdient, womit er gleichzeitig die Sekretärin bezahlt...

Wenn also jeder Krankenhausarzt anfängt, den Blutdruck eines jeden Patienten selbst zu messen, hätte er schlichtweg keine Zeit mehr für andere Patienten. Er könnte weniger betreuen, das Krankenhaus müsste mehr Ärzte einstellen, hat dafür aber nur ein begrenztes Budget, usw. Schwestern hätten eine Arbeit weniger, es würden weniger benötigt...

Oder der Anwalt: wäre er den ganzen Tag damit beschäftigt, Ordner zu suchen oder Briefe zu schreiben, würde er kein Anwaltsgehalt mehr verdienen, sondern überhaupt nichts mehr, weil er dann keine Anwaltsarbeit erledigt.

Es hat überhaupt nichts mit "faul durch Studium" zu tun. Es werden Arbeiten - vielfach "Denkarbeiten" erledigt, durch die man durch das anstrengend und lehrreiche Studium überhaupt erst fähig geworden ist. Diese Arbeiten sieht ein Nicht-Studierter überhaupt nicht, da er sie nie kennengelernt hat.

So ähnlich wie beim einem Lehrer: der Schüler sieht nur den Unterricht, den der Lehrer hält. Und dann den "freien Nachmittag" und die vielen Ferien. Der Schüler kennt die anderen Arbeiten nicht, die der Lehrer sonst noch zu erledigen hat. Daher dieses schiefe Bild in der Gesellschaft.


Ergänzung vom 02.07.2011 12:58:

hab nochmal über den Sekretärinnenordner nachgedacht:

Was Dir umständlich erscheint, ist in Wirklichkeit ein eingespieltes Team und eine geschickt ausgearbeitete Arbeitsteilung. Die Sekretärin ist sozusagen das personifizierte Inhaltsverzeichnis aller Materialien des Anwalts und er kann seine Denkleistung auf die Sache selbst richten.

Oder hat es Dich noch nie genervt, bei der Vorbereitung auf eine Prüfung minuten- oder stundenlang nach einer bestimmten Information (Buch/Hefteintrag) zu suchen, von der Du weißt, dass sie existiert, Du es aber vergessen hast? Bis Du sie gefunden hattest, war der ursprüngliche Gedankengang völlig weg und Deine Laune am Boden...

2 Kommentare

888571
nana-italia
nana-italia

tolle Antwort, ich sehe das auch so, hätte es aber nicht so gut formulieren können.

910556
seikor
seikor

merci.

Mit ist noch was eingefallen:

Es hängt letztlich mit dem Begriff "Effektivität" zusammen. Ein Arzt, der Blut selbst abnimmt, handelt nicht effektiv.

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715637
broilerin

broilerin

Rang: Mileva Einstein2 (29.132) | Verhalten (955), Anstand (11), Delegieren (8)

92 Minuten nachdem die Frage gestellt worden ist (02.07.2011 14:12)

2

In einem Krankenhaus gibt es eine klare Aufgabenstrukturierung.
Das heißt, dort kann jeder am Patienten beschäftigte genau nachlesen, was von ihm erwartet wird einschließlich (und das ist nicht extra aufgeführt, da es selbstverständlich ist-da man "die obere Verantwortung für diese Aufgabe hat) der unter ihm liegenden "Ränge" oder Berufsgruppen. Ebenfalls ist dort die Weisungsbefugnis definiert.
Also wenn sich ein Patient auf den Fußboden erbrochen hat, dann kann ich jemanden von der Putzfirma bitten (im Prinzip wird das auch als Weisung verstanden), das wegzumachen. Ist keiner zur Stelle, mach ich es- da unter meine Pflichten die Hygiene fällt.
Eine Krankenschwester ist zB weisungsbefugt gegenüber sämtlichem Küchen-, Reinigungs-, und Servicepersonal gegenüber, außerdem Pflegeauszubildenden, FSJlern. Die "Oberverantwortung", das die richtig umgesetzt wird, behält sie.Wenn keiner zu Verfügung steht, macht sie es.
Und ebenso ist das bei den Ärzten. Natürlich kann ein Arzt ein EKG schreiben und Blutdruck messen. Das kann eine Krankenschwester aber auch. Und in dieser Zeit, in der er diese Arbeit delegiert, könnte er zB.in einem anderen Zimmer ein Herzecho machen- das kann die Krankenschwester nicht.
So hat jeder innerhalb seines Aufgabenbereiches seine Kompetenzen, die sich letztendlich kosteneffektiv auswirken.

Und, ist es im Friseursalon nicht ebenso? Wenn du einen Termin beim Chef hast, erledigt ein Auszubildender die Haarwäschen, eine Ausgelernte haut dir die Farbe drauf, aber das Wichtigste: Beratung, Farbe anrühren und letztendlich die fertige Frisur Chefsache ist?

Dein Steuerberater wird das ebenso sehen. :)

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888571
nana-italia
nana-italia

"Saftschubse bzw. Sekretärin" - finde ich gaaaar nicht nett. Oftmals (nicht in jedem Fall, klar) sind Sekretärinnen die 'graue Eminenz', ohne die der Chef völlig aufgeschmissen wäre. Nur: sie tun ihre wertvolle Arbeit im Hintergrund.

910556
seikor
seikor

völlig wahr! Gute Sekretärinnen sind ihr Geld wert und wissen das auch.

924852
LeCroissant
LeCroissant

Vielen Dank für die Antworten und Kommentare. Du, es ist mir klar und war auch nicht so gemeint. Ich finde selbst, dass jeder Arbeiter bzw. Beruf solche und solche Menschen hat. Ich wollte dieses "Saftschubse" eben nur im Kontext "Ich bin zu faul, mache du es einmal" nennen.
Denn hätten besagte "Chefs" oder "Arbeiter" RESPEKT vor anderen bzw. "niederen" BErufen, dann würden diese auch besagte Arbeit nicht delegieren. Ich respektiere sowieso diese Berufe und ziehe meinen Hut. Demnach auch bei der Fragestellung den "Kontext" beachten. Es spiegelt nicht unbedingt meine Meinung/Ansicht wieder. Danke für Anteilnahme und Antwort/Kommentar.

 

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