Jeder hat seinen Job. Wenn eine einfache Arbeit jemand machen kann, der dafür Zeit hat und dafür ausgebildet ist, dann soll derjenige auch diese Arbeit machen.
Der höher qualifizierte Arbeiter sieht, dass diese Arbeit zu machen ist und deligiert sie entsprechend. Dafür - und das ist das Entscheidende - hat er mehr Zeit für die Arbeiten, die die höhere Qualifikation erfordern und die der einfachere Arbeiter überhaupt nicht erledigen kann.
Das hat also nichts mit Geringschätzung oder "weniger wert" zu tun, sondern mit simpler Arbeitsteilung.
Durch ein Studium wird man halt einfach zu entsprechend höher qualifizierten Leistungen befähigt, dass es vielleicht deutlicher auffällt.
Und wenn ein Anwalt die Sekretärin einen Ordner suchen lässt, dann kann der Anwalt in dieser Zeit ganz andere Probleme lösen und Arbeiten erledigen (und sei es "im Kopf"), durch die er überhaupt erst sein Geld verdient, womit er gleichzeitig die Sekretärin bezahlt...
Wenn also jeder Krankenhausarzt anfängt, den Blutdruck eines jeden Patienten selbst zu messen, hätte er schlichtweg keine Zeit mehr für andere Patienten. Er könnte weniger betreuen, das Krankenhaus müsste mehr Ärzte einstellen, hat dafür aber nur ein begrenztes Budget, usw. Schwestern hätten eine Arbeit weniger, es würden weniger benötigt...
Oder der Anwalt: wäre er den ganzen Tag damit beschäftigt, Ordner zu suchen oder Briefe zu schreiben, würde er kein Anwaltsgehalt mehr verdienen, sondern überhaupt nichts mehr, weil er dann keine Anwaltsarbeit erledigt.
Es hat überhaupt nichts mit "faul durch Studium" zu tun. Es werden Arbeiten - vielfach "Denkarbeiten" erledigt, durch die man durch das anstrengend und lehrreiche Studium überhaupt erst fähig geworden ist. Diese Arbeiten sieht ein Nicht-Studierter überhaupt nicht, da er sie nie kennengelernt hat.
So ähnlich wie beim einem Lehrer: der Schüler sieht nur den Unterricht, den der Lehrer hält. Und dann den "freien Nachmittag" und die vielen Ferien. Der Schüler kennt die anderen Arbeiten nicht, die der Lehrer sonst noch zu erledigen hat. Daher dieses schiefe Bild in der Gesellschaft.
Ergänzung vom 02.07.2011 12:58:
hab nochmal über den Sekretärinnenordner nachgedacht:
Was Dir umständlich erscheint, ist in Wirklichkeit ein eingespieltes Team und eine geschickt ausgearbeitete Arbeitsteilung. Die Sekretärin ist sozusagen das personifizierte Inhaltsverzeichnis aller Materialien des Anwalts und er kann seine Denkleistung auf die Sache selbst richten.
Oder hat es Dich noch nie genervt, bei der Vorbereitung auf eine Prüfung minuten- oder stundenlang nach einer bestimmten Information (Buch/Hefteintrag) zu suchen, von der Du weißt, dass sie existiert, Du es aber vergessen hast? Bis Du sie gefunden hattest, war der ursprüngliche Gedankengang völlig weg und Deine Laune am Boden...