Ist Corona /CoViD-19 auch historisch die größte Seuche oder Pandemie der Welt? In diesem Überblick gehen wir die Geschichte der Seuchen und Epidemien vor Corona durch und ermitteln in Altertum, Mittelalter und Neuzeit, unter Pocken, Pest, Cholera, HIV, russischer und spanischer Grippe und vielen anderen die „Kandidaten“ und die „Sieger“ für den Titel „größte oder schlimmste Seuche der Geschichte“.

Denn gerade angesichts der weiteren Ausbreitung von Corona stellt sich erneut die Frage, ob Corona/CoViD-19 die größte/schlimmste Seuche, Epidemie bzw. Pandemie1 der Geschichte ist oder werden könnte. Oder gab  es früher andere, vielleicht viel größere Seuchen? Welche Krankheiten verursachten damals Pandemien? Wie weit haben diese Epidemien sich ausgebreitet und welche historischen Auswirkungen hatten sie? Und wie sind die Menschen mit Pandemien und Seuchen umgegangen? Aus dem Überblick über die Geschichte der Seuchen und Pandemien lässt sich auch für heute einiges erfahren. Und vieles kommt einem seltsam bekannt vor.

Kriterien: Wie bestimmt man die größte oder schlimmste Seuche der Geschichte?

 Die Frage nach der größten oder schlimmsten Seuche oder Epidemie der Welt, also in unserer Geschichte, ist nicht mit einem Satz zu beantworten. Erst einmal ist ja klar, dass wir nur von Seuchen wissen, wenn darüber geschrieben wurde. Damit scheiden die „graue Vorzeit“ und Gesellschaften ohne schriftliche Überlieferung schon einmal aus, bei anderen weiß man halt wenig.

Zweitens muss man natürlich fragen, woran man die Größe einer Seuche oder Pandemie bemessen will. An der absoluten Zahl von Toten oder Erkrankten? Am prozentualen Anteil der Betroffenen an der Gesamtbevölkerung? An der geografischen Ausbreitung einer Epidemie? An den geschichtlichen Auswirkungen auf die Überlebenden?

Gehen wir die Geschichte der Menschheit einmal im Überblick nach möglichen „Kandidaten“ unter den zahlreichen dokumentierten Seuchen und Epidemien durch:2

Große Epidemien im vorklassischen und klassischen  Altertum

Hethiterseuche

Ein frühes schriftliches Zeugnis über eine Seuche (vermutlich Beulenpest) stammt vom Herrscher der Hethiter (Kleinasien) im 14. Jahrhundert vor Chr. Er beklagt die zunehmende Ausbreitung der Epidemie. Die Eltern steckten jetzt schon ihre Kinder an. Und durch die Reduzierung der Bevölkerung gebe es nicht einmal mehr genug Bäcker zum Brot Backen. König Mursili versteht es nicht: Zugegeben, sein Vater war ein schlimmer Finger, ein Mörder, und dazu noch sehr unfromm. Aber er selbst sei das doch viel weniger! Daher müssten die Götter die Strafe doch jetzt mal beenden!

Diese „Hethiterseuche3 nahm richtig Fahrt auf im Krieg gegen Ägypten. Hotspots der Verbreitung waren die Heerlager. Dort dürfte es hygienisch wenig anders ausgesehen haben als in heutigen Flüchtlingslagern rund um das Mittelmeer. Und kriegsgefangene Sklaven verbreiteten die Epidemie dann auch in Ägypten. Alle religiösen Sündenbock-Rituale nützten nichts, die Seuche führte letztlich zum Untergang des Hethiterreiches.

Attische Seuche

Im antiken Athen brach  430 vor Chr. die „Attische Seuche“  aus. Das klassische Athen gilt als Wiege der europäischen Kultur. Mit ca. 100.000 Toten reduzierte die Epidemie binnen weniger Jahre die gesamte Bevölkerung des Stadtstaates um ca. ein Drittel. Damals befand sich Athen mit seinen Verbündeten im Krieg gegen seinen Erzrivalen Sparta und dessen Bündnispartner.

Und schon damals fanden alle möglichen Verschwörungstheorien weite Verbreitung: Die Spartaner hätten die Brunnen vergiftet. Ausländische Seeleute hätten die Krankheit aus dem dunkel-verdächtigen Persischen Reich eingeschleppt.4 Und natürlich galt die Seuche auch vielen als Strafe der Götter. Schließlich wurde gar der Athenische Staatschef Perikles bezichtigt, Schuld an der Epidemie zu haben. Obwohl er dann selbst ihr Opfer wurde. Man hatte Angst und einfach keine augenfällige Erklärung für die (vermutliche) Pest, deren Bakterien sich unsichtbar in Rattenflöhen verstecken.

Dennoch – oder gar von derlei „alternativen Fakten“ beflügelt – dauerte der Krieg mit Unterbrechungen noch 26 Jahre an. Letztlich führte er zum Ende des klassischen Stadtstaates Athen samt seiner beispielgebenden attischen Demokratie. Welchen Anteil an diesem politischen Niedergang die Seuche bzw. der Umgang mit ihr hatte, lässt sich natürlich seriös nicht beziffern.

Tod und Krieg und Seuchen: Nicht nur in der Antike gehörten alle drei oft eng zusammen.
Der Tod kam auch in der Antike nicht nur in Form von Kriegen, sondern auch von Seuchen — oft kam beides zusammen

„Antonionische Pest“: Erste dokumentierte Pocken-Epidemien vor 2 Jahrtausenden

Das antike Rom verfügte über ein  vorher und nachher unerreicht effizientes, weit verzweigtes Netz von Verkehrs- und Handelswegen. Es hatte in seiner Geschichte durch die Jahrhunderte seines Bestehens mehrere Seuchen zu verzeichnen, vermutlich von Pocken („Pest“ war damals der allgemeine Ausdruck für Seuche bzw. Epidemie). In den Jahren 165 bis ca. 180 nach Chr. forderte die „Antonionische Pest“  dabei 7 bis 10 Millionen Tote. Vermutlich brachten die römischen Legionen diese Pocken-Epidemie aus einem Feldzug im heutigen Irak mit und verbreiteten sie dann im gesamten Römischen Reich. Das reichte von Britannien über Germanien bis Nordafrika, von Spanien bis nach Kleinasien. Die damalige Gesamt-Einwohnerzahl in allen Provinzen des Römischen Reiches schätzt man auf ca. 65 Millionen. Mithin betrug der Anteil der Todesopfer allein der Antonionischen Pest-Epidemie, grob gegriffen, ein Sechstel der Gesamtbevölkerung.
Pocken-Epidemien waren im übrigen damals auch schon in Asien, namentlich in China, bekannt und dokumentiert. Mit Asien und auch China hatte das Römische Reich vielfältige Handelsbeziehungen.5

Das Mittelalter und sein Ende: Die Pest 

Justinianische Pest

Nach dem Niedergang  des Römischen Reiches wütete über 200 Jahre lang (541-770) die „Justinianische Pest“  (diesmal wohl wirklich eine Spielart der Pest). Sie trat in ca. 15 bis 17 Wellen im Abstand von 15 bis 25 Jahren auf.  Die Zahl der Opfer ist nicht ermittelbar. Aber sie breitete sich in ganz Europa und Vorderasien aus. Mithin kann sie in unserem Überblick, jedenfalls für das damalige Weltbild, als Pandemie gelten.

Zweite Pest-Pandemie

Zum Ausgang des Mittelalters hatte die Welt wieder verstärkt mit einer Spielart der Pest zu tun. Sie forderte diesmal 100 bis 125 Millionen Tote und setzte sich in kleineren Ausbrüchen noch bis ins 19. Jh. hinein fort.

Allein deren zweite Pest-Pandemie 1346 bis 1353 durchzog binnen 7 Jahren die gesamte Alte Welt. (Für die Europäer waren Amerika und Australien damals ja noch unbekannt). Dadurch starben allein in Europa ca. 25 Millionen Menschen (also mehr als zum Beispiel die derzeitige gesamte Bevölkerung von Bayern und Baden-Württemberg). Bei einer damaligen europäischen Gesamtbevölkerung von 85 Millionen starb mithin fast jeder dritte Einwohner Europas.

Auch hier blühten aus Angst oder Unwissenheit populistische Parolen. Die jüdische Bevölkerung wurde als „Brunnenvergifter“ verfolgt und ermordet, ganze Gemeinden ausgelöscht. Und es gab damals eine breite Front von Wasch- und Bade-Gegnern. Diese wurde von kirchlichen Kreisen stark gefördert. Den Kirchen waren nämlich die populären Badehäuser des Hochmittelalters ein Dorn im Auge, weil sie dort Sittenverfall argwöhnten.6 Die Kirche verbreitete daher kräftig die „Meinung“ , dass durch Waschen und Baden – also mit nackichter Haut! – die Haut-Poren für Krankheitserreger erst so richtig geöffnet würden. Die Pest-Bakterien fanden diese Einstellung prima; Hygiene war ihnen ein Gräuel.

Und so entvölkerte und verödete die Pest wellenförmig ganze Landstriche. Dadurch zerstörte diese Seuche die wirtschaftliche Basis der bäuerlich-ländlichen Feudalstrukturen in Europa. Damit wiederum schuf die Pest mit die Voraussetzung für eine Machtkonzentration in zentralisierten Königreichen, die in den folgenden Jahrhunderten untereinander in zahllosen Kriegen um ihre Pole Position in Europa stritten. Dabei gab es allein im Großen Nordischen Krieg (Kampf der Königreiche um die Ostsee herum) 1708 bis 1714 noch einmal ca. 1 Million Pest-Tote in Nord- und Osteuropa.

Die Pocken

Amerika: Das große Sterben der Ureinwohner

Während die Eroberer Amerikas als Souvenir wohl die (für die dortige Bevölkerung eher harmlose) Syphilis nach Europa brachten, schleppten sie dort epidemisch die Pocken ein. Diese trafen bei den einheimischen Völkern und Staaten auf völlig unvorbereitete Immunsysteme.7 Allein in Mexiko, bei der Eroberung des Aztekenreichs durch Hernando Cortez, forderte eine Pocken-Epidemie in weniger als zwei Jahren (1519/20) ca. 5 bis 8 Millionen Tote. Bereits 25 Jahre später wurde Mexiko noch einmal durch eine unbekannte Epidemie mit wiederum mehr als 2 Millionen Toten heimgesucht. 

Insgesamt sind Seuchen vermutlich hauptverantwortlich für die dramatische Dezimierung der indigenen Völker („Indianer“) zu einer leicht besiegbaren Minderheit im eigenen Land. Man nimmt an, dass durch die Pocken ein Viertel bis die Hälfte der indigenen Bevölkerung starb, einige Forscher sprechen auch von bis zu 90%. Bei einzelnen Volksstämmen führten Pocken-Epidemien zu ihrer totalen Ausrottung. An der Westküste Nordamerikas starb allein bei einer Pocken-Epidemie 1862, also zu Beginn der massenhaften Eroberung des „Wilden Westens“, ca. die Hälfte der indigenen Gesamtbevölkerung. Deren Immunsystem war besonders hilflos gegen die Ansteckung. Ähnliches passierte 1780 übrigens auch in Australien.

Die Erfolgsgeschichte einer Impfkampagne

Allein im 20. Jahrhundert forderten die Pocken vermutlich global noch einmal bis zu 300 Millionen Tote8 (also etwa soviel wie die Gesamt-Einwohner-Zahl der USA in 2007). Seit 1980 aber sind die Pocken weltweit ausgerottet.9 Unmittelbar vorausgegangen war eine breit angelegte internationale Impf-Kampagne der Welt-Gesundheits-Organisation WHO und ihrer Mitgliedsstaaten in den Jahren 1966 bis 1977.10 Zuvor kam es immer wieder zu Ausbrüchen der Seuche.11 Obwohl der Impfstoff dagegen bereits 1796 in den USA entwickelt worden war und trotz zahlreicher weiterer Ausbrüche kam es hier erst über 100 Jahre später, 1902, zu einer ersten Impfpflicht-Verordnung in einem Bundesstaat, nämlich Massachusetts.12 Die erste gemeinsame Anstrengung der amerikanischen Länder zur Ausrottung der Pocken erfolgte, nach entsprechenden weiteren Ausbrüchen, erst in den 1950er Jahren. Jedoch gab es keine einheitliche Regelung und keine koordinierte Infrastruktur. In vielen Ländern scheiterte die Kampagne an der Beschränkung der Mittel und der Impfstoff-Versorgung.13 Erst allmählich setzte sich die Impfpflicht dann auch in den USA ganz pragmatisch durch: Bei der Einschulung der Kinder wurde zunehmend der Impfnachweis gegen Pocken und andere Krankheiten verlangt. Denn welche Eltern wollten schon das Risiko eingehen, dass ihr Kind in der Schule durch tödliche Seuchen angesteckt würde?14

Pockenbefall: ungeimpftes und geimpftes Kind im Vergleich, 190115

In den deutschen Staaten wurde die Impfpflicht gegen Pocken schon im 19. Jahrhundert eingeführt. Zuerst vom Königreich Bayern (1807), gefolgt von Preußen und Württemberg. Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 gab es dann bereits 1874 eine deutschlandweite Impfpflicht.16

Insgesamt hatte die Menschheit schon Jahrtausende lang mit Pocken-Epidemien zu tun.17 Vor mehr als eintausend Jahren ergriff man dann schon gezielte Maßnahmen gegen die Pocken-Viren, zunächst, soweit bekannt, in China.18 Vor der Erfindung der Spritze und des Impfstoffs war man dabei vorrangig auf die Vorsorge durch Inokulation verwiesen: Dabei blies man bevorzugt dem Patienten Sekret aus Pockenblasen von Erkrankten in die Nase.19 – Alles in allem ein Jahrhunderte währender, verschlungener Weg bis zum endgültigen Erfolg der konzertierten internationalen Impfkampagne.

Große Pandemien im Industriezeitalter

Pest, Pocken, Cholera, Typhus und andere Seuchen begleiten geschichtlich den Weg der Menschheit in die moderne, globalisierte Welt hinein. Sie betreffen nicht nur die Kolonialländer, sondern immer wieder auch die Kolonialmächte. Schließlich standen ja beide Seiten in vielfältiger Verbindung miteinander.

Dritte Pest-Pandemie

Dabei sticht für unseren geschichtlichen Überblick die so genannte Dritte Pest-Pandemie von 1849 bis 1912 hervor. Ausgehend von China/Honkong flutete die Infektionswelle über Asien, Indien, die USA und Großbritannien bis in die Karibik und nach Südamerika. Sie forderte ca. 12 Millionen Tote (damals gab es insgesamt ca. 1,6 Milliarden Menschen auf der Welt), also ungefähr so viele Menschen, wie Niedersachsen und Sachsen heute zusammen an Einwohnern haben.

Heutige Forscher der Geschichte der Seuchen können genetisch belegen, dass die Bakterien dieser Pandemie dieselben waren, die ursprünglich im Mittelalter in Europa entstanden.20 Andere behaupteten traditionell, dass sie sich ursprünglich immer wieder in Asien selbst entwickelt und von dort verbreitet hätten. Dabei stellt sich die Frage, was seuchengeschichtlich „ursprünglich“ bedeuten soll: der allererste Stammvater aller Bakterien? Diese entwickeln sich und ihr gefährliches Potenzial für den Menschen bekanntlich ortsübergreifend durch vielfältige Mutationen. Nationalismus ist ihnen fremd. Und worauf soll die Diskussion hundert Jahre danach hinauslaufen? Hatte im einen Fall dann nachträglich der schmuddelige Fischhändler einer mittelalterlichen mitteldeutschen Kleinstadt „Schuld“? Und im anderen Fall sein Berufskollege in einem Kaff in Sichuan?

Die Suche nach Sündenböcken sollten auch vor Corona häufig von Seuchen befreien - vergebens, wie wir wissen.
Schuldzuweisungen sind den Krankheitserregern egal

Feststeht hingegen historisch: Ziemlich genau zu Beginn der Dritten Pest-Pandemie fanden die „Opiumkriege“ statt. Durch sie hat Europa das Kaiserreich China gezwungen, sich für den unbeschränkten Handel mit den Europäischen Mächten und den USA zu öffnen. Unter anderem eben auch für die Einfuhr von Opium aus Indien und seinen Verkauf an die Chinesen durch Großbritannien. Außerdem erzwangen die europäischen und amerikanischen Staaten die Duldung ihrer Handelsniederlassungen im chinesischen Reich. Diese waren den chinesischen Gesetzen und Staatsorganen nicht unterstellt. Die kolonialistische Zwangsöffnung führte zu einem Zusammenbruch großer Teile der traditionellen chinesischen Wirtschaft. Dadurch kam es zu Massenarmut und zur Schwächung der staatlichen Verwaltungsstrukturen –  alles günstige Voraussetzungen für eine ungehinderte Verbreitung der Krankheitserreger –  und mittelbar letztlich zum Untergang des Kaiserreichs.

Grippe als Pandemie: Die Spanische Grippe

Offenbar im ersten Weltkrieg entwickelte sich fast unbemerkt ein neues Grippe-Virus (A/H1N1). Es verbreitete sich danach, 1918 bis 1920, als „Spanische Grippe“ weltweit. Zuerst berichtete nämlich die spanische Presse über die Ausbreitung  der Seuche unter den Truppentransporten nach Frankreich und Deutschland. In einem Klima des Nationalstolzes, der Militärzensur und des internationalen Misstrauens wurden aber vor allem in den kriegsführenden Ländern Berichte über diese Epidemie unterdrückt.21 Dadurch blieben Ursprung, Verbreitung und die genaue Bestimmung des Erregers für längere Zeit unklar.22 Zudem herrschten im Nachgang des ersten Weltkriegs Bürgerkriege sowohl in Russland als auch in China – wie üblich unter Einmischung der internationalen Großmächte. Diese beiden destabilisierten Länder gelten unter Historikern als hauptsächlich betroffen, andererseits  gibt es aber gerade für sie keine verlässlichen Zahlen.

Unter solchen Entstehungsbedingungen brachte es dieses neuartige Grippe-Virus binnen 2 Jahren auf geschätzt 27 bis 50 Millionen Tote (vergleichbar etwa mit der heutigen Gesamtbevölkerung Italiens). Dagegen nimmt sich das jüngere Grippe-Virus A/H3N2 (Hongkong-Grippe)  mit seiner Epidemie von 1968 bis 1970 mit stark unterschiedlich geschätzten ca. 1 Million Toten bescheidener aus. In Deutschland starben daran ca. 30.000 Menschen. Über das Ende der „spanischen Grippe“ hatte man sich hingegen zu früh gefreut bzw. seine Bekämpfung wohl zu früh eingestellt.  Denn ihr Erreger A/H1N1 verbreitete sich 1977/1978 noch einmal. Diesmal als „Russische Grippe“,  mit 700.000 Todesopfern weltweit (mehr als die heutige Gesamt-Einwohnerzahl Stuttgarts). Er traf nun aber auf relativ stabile Strukturen und hygienischere Bedingungen in den Ländern. Eine Unter-Variante des Erregers, populär als „Schweinegrippe“ bezeichnet, erwies sich 2009 zum Glück als eher schwächlich.23

HIV

Ganz neuartig entwickelte sich noch seit 1980 das Virus HIV. Es gehört ebenfalls zu den sich stark wandelnden und daher schwer bekämpfbaren Erregern. Das Virus verursacht die Immunschwäche AIDS, die lange Zeit unausweichlich zum Tod führte. Erst nach Jahrzehnten intensiver Forschung lässt sich diese Erkrankung zumindest in ihren Auswirkungen besser eindämmen.24 Dennoch ist die Geschichte von HIV und AIDS noch nicht abgeschlossen, längst nicht alle Opfer werden rechtzeitig behandelt. Das Virus forderte bislang weltweit ca. 36 Millionen Todesopfer (das entspricht der Bevölkerungszahl von Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen zusammen). In Deutschland starben daran bis 2012 ca. 27.000 Menschen (das entspricht immerhin noch ungefähr der aktuellen Einwohnerzahl von Aschersleben oder Garmisch-Partenkirchen).

Die Corona-Variante SARS

Jüngere Epidemien gibt es weiterhin auch im 21. Jahrhundert. Darunter auch die Pandemie des Corona-Virus SARS in 2002/3, das dem derzeitigen  Corona-Virus CoViD-19 sehr ähnlich sein soll. Allerdings war es etwas „anspruchsvoller“, es nistete sich daher nicht so schnell in einem Wirtskörper ein. Auch aufgrund raschen Eingreifens forderte es „nur“ ca. 800 Tote binnen des ersten halben Jahres. Zudem grassierte es überwiegend in asiatischen Ländern  und Kanada, so dass wir in Europa davon nicht so viel mitbekommen haben.

Und was ist nun das Ergebnis dieses geschichtlichen Überblicks?

Lassen wir die aktuelle Corona-Pandemie mit (Stand Mitte Mai 2020) weltweit über 315.000 Toten25 einmal außen vor, schon weil die weitere Entwicklung nicht abzusehen ist. (Einen Link zu den aktuellen Zahlen findest Du hier.) Betrachten wir die vorangegangenen einzelnen Pandemien bzw. Epidemien 26 weltweit aus unserem geschichtlichen Überblick, ergeben sich als Kandidaten für den Titel „größte Seuche in der Geschichte“ je nach Maßstab verschiedene Anwärter:

  • Unter dem Kriterium der absoluten Zahl der Todesopfer einzelner Epidemien/Pandemien stehen wohl  HIV und Spanische Grippe historisch ganz vorne. Dabei hat die Weltbevölkerung von ca. 1,65 Milliarden (zur Zeit der Spanischen Grippe) auf ca. 4,46 Milliarden (zu Beginn der HIV-Pandemie) zugenommen. Und so steht relativ zur Weltbevölkerung die Spanische Grippe als größte Seuche der Geschichte an erster Stelle. Nur auf das damalige Europa mit 85 Millionen Einwohnern bezogen läge hingegen die Zweite Pest-Pandemie vorne.
  • Als (beteiligte) Totengräber von Königreichen oder Gesellschaftsordnungen verdienen hingegen auch Hethiterseuche, Attische Seuche und die Pest für das Mittelalter in unserem Überblick besondere Beachtung.
  • Als Vernichter ganzer Völker und deren Kultur befinden sich die Pocken auf einem traurigen vorderen Platz bei den größten Seuchen der Geschichte der Menschheit. Sie stehen untrennbar im Zusammenhang mit den kolonialen Eroberungen in der Neuen Welt.

Die zahlenmäßig größeren Epidemien oder Pandemien sind historisch in der Neuzeit zu finden, trotz aller medizinischen Erkenntnisse und Vorkehrungen. Angesichts nicht nur der ansteigenden Weltbevölkerung, sondern auch der unaufhaltsamen Globalisierung von Produktion, Handel und Kultur ist das nicht verwunderlich. Zumal neue oder mutierte Erreger und Varianten die medizinische Wissenschaft immer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

Es fällt auf, dass in der Geschichte der Menschheit Epidemien und Pandemien immer dann besonders gute Chancen zur Verbreitung hatten, wenn Kriege oder politische Krisen ihre Erkenntnis und Bekämpfung erschwerten. Anders herum: Gut funktionierende staatliche Strukturen, eine kritisch aufgeklärte, nicht hysterische Bevölkerung und freier, grenzübergreifender Informationsfluss, koordiniertes – am besten internationales – einheitliches Handeln können bei der Bekämpfung von Pandemien augenscheinlich hilfreich sein. Den größten Erfolg in der Seuchen-Bekämpfung brachte bis heute eine langfristig angelegte, entschlossen durchgeführte weltweite Impfkampagne: Durch sie wurde eine Jahrtausende alte, unvermindert aggressive Krankheit mit ungezählten epidemischen Ausbrüchen – die Pocken – total ausgerottet.

Weiterführende Informationen und nützliche Links:

  1. Begriffsdefinitionen: Als Seuche bezeichnet man eine Krankheit, die sich, zeitlich begrenzt, durch Infektion rasch ausbreitet und viele Menschen betrifft. Formen der Seuche sind 1. die Epidemie: sie ist regional, auf einen bestimmten Teil der Welt begrenzt — und 2. die Pandemie: sie ist sozusagen eine weltweite Epidemie. Brauchbare Definitionen dieser und anderer Begriffe zum Thema findest Du bei Netdoktor
  2. Eine recht vollständige Liste der Epidemien in der Geschichte von der Vorzeit bis heute mit kurzem historischem Kontext findest Du bei menschmikrobe . Dort auf der Startseite gibt es auch brauchbare Erklärungen weiterer medizinischer Begriffe zum Thema.
    Ebenfalls recht vollständig, etwas weniger eingeordnet und erklärend die Tabelle bei Wikipedia. Bei ausführlicheren Darstellungen mit Text wird es etwas unübersichtlich, und viele Artikel beschäftigen sich mit Teilaspekten – daher ja auch der vorliegende Beitrag für die Übersicht ;-). Ein kurzer Aufriss aus Vor-Corona-Zeit findet sich hier bei Cosmiq in dem Artikel Was sind die 10 schlimmsten Krankheiten die es auf der Erde gibt
  3. Über die Hethiterseuche gibt es einen interessanten Artikel in „fundiert“, Wissenschaftsmagazin der Freien Universität Berlin: „Der bedrohte Kosmos“ von Prof. Dr. Volker Haas: http://www.elfenbeinturm.net/archiv/2002a/angst.html
  4. Das mächtige Persien war damals die Verkörperung des Orients. Und auch als Konkurrent um Kolonien in Kleinasien war es der große gemeinsame Angst- und Hassgegner aller Griechen. Ein bisschen wie heutzutage in einigen Medien und Kreisen „die Chinesen“.
  5. So waren Gewänder aus chinesischer Seide bei den reichen Römerinnen schwer angesagt – obwohl oder gerade weil sie unfassbar teuer und wegen der „Durchsichtigkeit“ des Stoffes moralisch umstritten waren. Und in China schätzte man Glas- und Webwaren aus dem Römischen Reich. Das Mekong-Delta, heute im Süden von Vietnam, war zu der Zeit ein Knotenpunkt des Welthandels. Hier trafen sich Warenströme u.a. aus und nach Indien, Indonesien und China. Und hier hatte sich auch eine permanente römische Handelsniederlassung etabliert. Es wäre eher verwunderlich, wenn da neben den Waren nicht auch gelegentlich hochansteckende Krankheitserreger ausgetauscht worden wären. [Einen Einstieg/Überblick über die vielfältigen wirtschaftlichen, ideellen und politischen Beziehungen zwischen dem Römischen und dem Chinesischen Reich der Antike bietet der Wikipedia-Eintrag Römisch-chinesische Beziehungen].
    Die unausrottbare Schulweisheit, dass erst Marco Polo im 13. Jahrhundert China „entdeckt“ habe, ist eher eine Frucht der Geschichtsauffassung des 19. Jahrhunderts, die „Geschichte“ gerne als organische Entwicklung von „Völkern“ oder „Nationen“ aus sich selbst heraus beschreibt und verstehen will. Nationen werden in dieser Sichtweise zu grundlegenden Einheiten einer unterstellten einheitlichen Volkszugehörigkeit stilisiert, Nationalismus als gleichsam „natürlich“ gerechtfertigt. Internationale Synergien und Fortschritte werden so als fremd und feindlich beargwöhnt, staatliche Zusammenschlüsse oder Neubildungen – gerade auch in den letzten beiden Jahrhunderten – als Ausnahmen betrachtet oder möglichst auf irgendwie vorgeschichtliche Völkerwanderungen verwiesen. Dabei wird auch übersehen, dass faktisch alle modernen, erfolgreichen Nationalstaaten aus „Völkergemischen“ entstanden sind. Das wiederum trägt regelmäßig zur Diskriminierung und Unterdrückung von internen Minderheiten auf allen Kontinenten der Welt bei. Konflikte zwischen Nationen und nationaler Egoismus haben immer wieder die Ausbreitung von Epidemien befördert und ihre Bekämpfung behindert (siehe unten).
  6. Dort gab es große Gemeinschafts-Wannen, etwa wie heutige Whirlpools, Geselligkeit, Geschäftsgespräche, Spiele (verbreitet unter anderem ein Spiel namens „Puff“) und allerart körpernahe Dienstleistungen.
  7. Da in Amerika Pocken völlig unbekannt waren, trafen sie sozusagen auf eine Null-Herden-Immunität. Die europäischen Eroberer hingegen hatten schon mindestens 2 Jahrtausende Umgang mit dem Virus (siehe die Anmerkungen im folgenden Abschnitt).
  8. Siehe History of Vaccines sowie die Übersicht der WHO. Bei den sich durchsetzenden, ansteckenderen Varianten dieser Virenerkrankung starben damals unter Europäern ca. 30% der Befallenen, obwohl das Virus bei ihnen schon über 2000 Jahre unterwegs war.
  9. Die letzten vereinzelten Erkrankungen gab es in den 1970er Jahren. 1980 verkündete die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) das Ende der Pocken
  10. Das Ziel der Kampagne war eine Impfquote von über 80% weltweit. Sie war erfolgreich: Heutzutage gibt es die Pocken-Viren nur noch im Labor.
  11. Seit dem Unabhängigkeitskrieg der USA von England im 18. Jahrhundert wurden insbesondere auch die Soldaten der Army bei ihrer Eroberung des nördlichen Teilkontinents immer wieder massiv von Pocken heimgesucht.
  12. Eine Klage dagegen mit der Begründung, die Impf-Verordnung sei „unrational, willkürlich und unterdrückerisch“, ging bis zum Obersten Gerichtshof und wurde dort 1905 abgewiesen. In der Folge führten einige andere US-Bundesstaaten ebenfalls die Impfpflicht ein, andere sprachen sich ausdrücklich dagegen aus.
  13. (Clinical Medical Research 01.April 2003, S87-92.).
  14. Zuwider handelnde Eltern wurden mit Geld- oder gar Haftstrafen belegt.
  15. Leicester, Großbritannien. Die Nachverfolgung eines Pocken-Ausbruchs in Milwaukee/Wisconsin (USA) von 1925 zählte 386 Infizierte, von denen 87 (23%) verstarben. Von den 386 Infizierten waren 327 (85%) nie geimpft, von den verbleibenden 59 keiner innerhalb der vorangegangenen 5 Jahre (history of Vaccines / timeline)
  16. Per Reichsgesetz wurde eine Pflicht zur Erstimpfung für Kinder ab dem 2. Lebensjahr eingeführt. Vorangegangen war ein weiterer epidemischer Ausbruch im Zuge des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71. Aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken (Individualrecht auf körperliche Unversehrtheit) wurde diese Regelung in der Weimarer Republik ein wenig gelockert und blieb so auch im Faschismus bestehen. (Dort setzte man mehr auf Abhärtung durch kaltes Wasser und Leibesübungen. Nachrichten von Epidemien wie von Diphterie und Cholera wurden unterdrückt.) Mit Berufung auf die Reichsgesetzgebung wurde die allgemeine Impfpflicht gegen Pocken in der BRD der 1950er dann wieder ausnahmslos eingeführt. In der DDR war die Pflicht zur Pocken-Impfung schon zu Zeiten ihrer Gründung Bestandteil eines umfassenden Impfplans. [Die Impfpolitik gegen Pocken in Deutschland beschreibt das Göttinger Tageblatt vom 26.03.2019, also aus Vor-Corona-Zeiten, mit Blick auf die derzeit gerade eingeführte Impfpflicht gegen Masern in Kindergärten. Einen umfassenderen Überblick über die Geschichte des Impfwesens vom Kaiserreich bis heute bietet ein Bundesgesundheitsblatt von 2012.]
  17. Der Übergang von Pocken-Viren auf den Menschen passierte vermutlich schon vor zwölftausend Jahren in ersten Siedlungen im Nordosten Afrikas. Von dort gelangten sie bzw. ihre Varianten vielleicht durch ägyptische Händler nach Indien. Mehrere Stellen im Alten Testament weisen auf Pocken-Epidemien hin. Die römischen Legionen verbreiteten dann die Pocken epidemisch in Europa (siehe den Abschnitt oben zur „Antonionischen Pest“).
  18. In China fanden die ersten Pocken-Vorsorge-Maßnahmen nachweislich spätestens im 10. Jahrhundert statt. Vermutlich in Indien, sicher in Persien und dem Nahen Osten gab es derartige Vorsorge-Aktivitäten dann im späteren 17. Jahrhundert.
  19. Wen es dabei schüttelt, der sollte sich vergegenwärtigen: Eine derart aufwändige Methode blieb vermutlich nur den Bessergestellten vorbehalten. Diese zogen sogar eine solche Sekret-Bespritzung offenbar freiwillig dem Risiko von Tod oder Dauerfolgen vor: Selbst wenn man eine Pocken-Infektion überlebte, war die Gefahr groß, sein Augenlicht oder sein Gehör zu verlieren und Gehirnschäden davonzutragen. Zumindest blieb man durch narbige Haut auf Gesicht und Körper meist gruselig entstellt. Bei der Inokulation bekam man im Prinzip geringe Mengen Pocken-Viren – gerne aus den Pocken-Blasen von Genesenden – eingeführt. Wie bei einer Impfung wurde der Körper durch diese Viren angeregt, Anti-Körper zu bilden und zu vermehren, die dann die größeren Mengen von Viren bei einer Infektion unschädlich machen konnten. Allerdings gingen die damaligen Patienten ein ungleich höheres „Impfrisiko“ ein. Der „Impfstoff“ bestand damals gefährlicherweise aus noch lebendigen Original-Krankheitserregern in nicht genau definierter Dosierung. Der Pocken-Impfstoff hingegen wurde dann 1796 aus den für Menschen harmlosen Kuhpocken hergestellt.
  20. Die These von der einheitlichen europäischen Abstammung der Pestbakterien findet sich bei scinexx.de. Das Magazin hat u.a. auch mehrere Artikel zur Geschichte der Pesterreger veröffentlicht.
  21. Das erinnert an die Entdeckung des CoViD-19-Ausbruchs in China: Der Arzt Dr. Li Wenliang schöpfte Ende 2019 bei einigen Verläufen von Lungenerkrankungen in seiner Klinik Verdacht, weil sie denen von SARS glichen. Daher setzte er seine Kollegen in einem internen Chat davon in Kenntnis. Als der Hinweis sich verbreitete, wurde Dr. Li Wenliang durch staatliche Stellen vorgeladen und gezwungen, seine Warnung zu widerrufen wie ehedem Galilei seine Beobachtungen der Planeten. Wie wir wissen, hat Leugnung auch hier nichts genützt. Wen erinnert diese kleine Parallele zur damaligen Grippe-Politik in Europa nicht an das Bonmot von Karl Marx, dass sich in der Geschichte alles zu wiederholen scheine, das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce? Allerdings endete die Geschichte auch für Dr. Li Wenliang nicht lustig: Angesteckt durch eine Patientin, verstarb er an Corona. Kurz zuvor wurde er noch schnell rehabilitiert. Märtyrer sind bei Mächtigen meist unerwünscht.
  22. Heute vermutet man seine Erstübertragung von Vögeln auf den Menschen in den USA. Das ist sozusagen die ganz normale „Karriere“ von Viren: Durch Mutation (genetische Änderung/Kopierfehler bei ihrer millionenfachen Fortpflanzung) haben sie möglicherweise irgendwann die Fähigkeit, sich auch beim Menschen festzusetzen, um sich dort weiter zu entwickeln. Durch weitere Mutationen entstehen einerseits harmlosere Varianten, die vielleicht irgendwann aussterben, weil sie sich zu langsam verbreiten und/oder das Immunsystem der Menschen mit ihnen gut fertig wird, andererseits aber auch aggressivere Varianten, die sich noch leichter und schneller von Mensch zu Mensch fortpflanzen können. Wie dynamisch ein Virus mutiert, hängt natürlich auch stark davon ab, welche Räume man ihnen für ihre ungehinderte Vermehrung und Verbreitung lässt– also gleichsam von der Gesamt-Anzahl der genetischen Kopien und damit auch der gefährlicheren „Fehlkopien“, die sich dann als neue Varianten wieder international verbreiten können.
  23. Als weiterer Virus-Subtyp von A(H1N1) machte das Virus im April 2009 als „Schweinegrippe“ Furore. Nach der Erfahrung mit der Spanischen Grippe warnte die WHO vor einer möglichen Pandemie. Zum Glück entwickelte sich diese Variante aber weit weniger aggressiv als befürchtet, so dass die WHO gut ein Jahr später die Pandemie-Gefahr für beendet erklären konnte. Die Befürchtungen waren diesmal nicht eingetreten. Die normalen, saisonalen Grippe-Impfungen schätzte man anfangs als nicht hinreichend ein und entwickelte deshalb in verschiedenen Unternehmen unter Zeitdruck spezialisierte Impfstoffe. Bei mehreren dieser vermarkteten Impfstoffe wurden so genannte Adjuvanzien (Wirkungsverstärker) eingebaut. Bei einem Adjuvans, AS03, stellten sich dann seltene, aber unerwartete und ungewollte Nebenwirkungen heraus. Wie in anderen Ländern auch, hatte in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO) eine vorsorgliche Impfung zunächst lediglich für besonders gefährdete/gefährdende Gruppen wie Pflegekräfte und Bundeswehr empfohlen. Nach der Entwarnung gab es dann noch etwa 28,3 Millionen von 34 Millionen vorsorglich beschafften Impfdosen, die – natürlich ohne finanziellen Ausgleich – vernichtet wurden. Heutzutage beinhalten normale saisonale Grippeschutz-Impfungen auch den Schutz gegen die Variante der Schweinegrippe.
  24. Vorausgesetzt, die HIV-Infektion wird frühzeitig genug festgestellt, kann man den tödlichen Verlauf der Immunschwäche AIDS mit einem Medikament abwenden.
  25. Aktualisierung 1: Von Mai bis September 2020 hat sich diese Zahl verdreifacht: Am 29. September 2020 wurde von den UN die Überschreitung von 1 Million weltweit registrierter Todesopfer bekannt gegeben. Dabei gebe es eine hohe Dunkelziffer, weil viele Corona-Tote in vielen Regionen nicht erfasst oder auch aus politischen Gründen nicht veröffentlicht worden seien.
    Aktualisierung 2 vom 13.01.2021: Von September 2020 bis Januar 2021 hat sich die Zahl der Todesopfer wiederum fast verdoppelt: Laut internationaler Statistiken liegt die Zahl der Corona-Toten nun bei 1,9 Millionen weltweit.
    Aktualisierung 3 vom 29.11.2021: Wiederum hat sich die Zahl der erfassten Todesopfer in 2021 mehr als verdoppelt, nämlich auf 5,2 Millionen weltweit, in mittlerweile 190 Ländern.
    Die jeweils aktuellen, erfassten Zahlen findest du hier: (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1100818/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-2019-ncov-nach-laendern/)
  26. Beim geschichtsübergreifenden Vergleich der Krankheitsarten, die immer wieder Epidemien und Pandemien verursacht haben, sähe das Ranking natürlich ein wenig anders aus: Hier stritten sich vermutlich Pest und Pocken um die vorderen Plätze und lägen je nach Geschichtsepoche ganz vorn. Die gefährlicher werdenden Spielarten der Grippe wären historisch eher der Newcomer.