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Erich Kästners Gedicht „Vorstadtstraßen“ als Beispiel der Neuen Sachlichkeit

Erich Kästners Gedicht „Vorstadtstraßen“ ist ein klassisches Beispiel für die Lyrik der „Neuen Sachlichkeit“. In der Zeit der Weimarer Republik thematisierte sie die Alltagsprobleme und Wirklichkeit der Menschen. Nicht selten legten ihrer Vertreter dabei eine ironische Betrachtungsweise an den Tag. Ironisch aber ohne Sarkasmus blickt Erich Kästner in seinem Gedicht auf das Leben und Wohnen in der Großstadt.

Wie der Mensch unter Menschen einsam ist

Stadtraumentwicklung und Wohnen sind auch heute wieder ein Thema. Die Architektur einer Stadt und die Gestaltung von Häusern und ganzen Stadtteilen hat Auswirkungen auf das soziale Zusammenleben der Menschen. Im Alltag der Menschen haben die Lebensbedingungen in der Großstadt unmittelbare Auswirkungen. Genau diesen Alltag nimmt das lyrische Ich in Kästners Gedicht in den Blick: „Die Straßen“ werden ihm zu Personen, mit denen es „gut bekannt“ ist.

An ihrem Beispiel schildert er den tristen Alltag mit nüchternem Blick. Die Straßen beginnen, „als wären sie zu Ende“. Und auch „Häuser“ erscheinen ab Strophe drei als Zeugen eines einsamen Großstadtlebens. Sie stehen Spalier und doch ist ihnen längst entfallen, „auf wen sie warten“. „In diesen Straßen dürfte niemand wohnen“ – und doch bemerkt der Erzähler „welke Blumen“ auf den Balkonen. Die Umgebung ist von Tristesse und Einsamkeit geprägt. Die Blume lässt sich auch als Bild für die Poesie und den kreativen Ausdruck lesen. Doch sie ist welk geworden. Zeugt nur mehr von der Vernachlässigung.

Verknappung und Vereinfachung kennzeichnen die sprachliche Form

So schnörkellos wie der Städtebau damaligen Zeit gestaltet sich auch der Umgang des Dichters mit seinem Sprachmaterial. Das Gedicht Vorstadtstraßen tritt nicht mit ausschweifenden Versen oder barocken Formulierungskünsten auf. Es ist eine verknappte und sehr einfache Sprache, die Dir hier begegnet. Knapp aber zugleich doch ausdrucksstark sind seine Zeilen. Die Personifikation der Straßen und der Häuser, die triste Beobachtung der Großstadt sagt viel über das alltägliche Leben der Menschen aus. Wenn über die Häuser gesagt wird, sie seien „einsam und krank“, so steht dieses Bild vor allem für die Menschen selbst.

Anhand ihrer Objekte wird etwas über das soziale Leben der Großstadtbewohner ausgesagt. In der vollen Großstadt sind viele Menschen dazu gezwungen, in Arbeitervierteln auf sehr engem Raum zusammenzuleben und es gibt kaum ein Netz, das sie auffängt oder für sozialen Zusammenhalt sorgt. Ohne jede Illusion berichtet das lyrische Ich mit starken Bildern von den Sorgen der Menschen. Davon zeugt insbesondere die letzte Strophe des Gedichts. Hier kommen die Sorgen eines Manns unmittelbar zur Sprache. Doch statt um das Menschenschicksal kümmert sich die Wirtin um einen umgefallenen Tisch.

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