Eine Schlange am Kreuz in einer christlichen Kirche? Normalerweise erwartet man dort einen gekreuzigten Jesus, aber keine gekreuzigte Schlange. Dennoch gibt es Bilder von einer riesigen Schlange am Kreuz oder an einem hohen Pfahl in einigen christlichen Kirchen. Wie kommt das und was soll das? Hatte der Künstler eine Verwirrung mit Schlangenphobie? Wollte man lehren, dass auch fiese Schlangen Geschöpfe Gottes seien? Handelt es sich gar um Symbole einer geheimen Botschaft? Die Schlange am Kreuz kommt tatsächlich ganz offiziell in der Bibel vor. Aber was soll die Schlange bzw. ein solches Bild bedeuten? Bei genauerer Betrachtung kann man über die Bibel hinaus einiges über das Funktionieren von Religion, die Geschichte und die Erziehung erfahren.

Wo man die Schlange am Kreuz besichtigen kann

Zunächst: Ja, es gibt sie, ganz offiziell. Bilder oder Reliefs mit einer Schlange am Kreuz finden sich zum Beispiel in der Kirche von Odense (Im Altarbild unten), im Chorgestühl der Kathedrale von Roskilde, in der evangelischen Kirche in Ehningen (Böblingen), in der Schlosskapelle von Schwerin, in Taubenheim (Kreis Meißen) sogar groß unter der Kanzel, von der gepredigt wird, in Köln und Reims sowie in vielen alten Bibelillustrationen. Recht bekannt ist auch das Gemälde von P.P. Rubens von ca. 1635 mit diesem Thema.

Erhöhung der Schlange im Alten Testament

Die Hälfte der Erklärung findet sich im Alten Testament der Bibel. Dort [4. Mose, Kap. 21, 4-9] wird berichtet, wie das Volk Gottes in seinem Zug durch die Wüste maulig wurde und nörgelte: über den langen Weg, über die schlechte Versorgungslage: kein Brot, kein Wasser, das Essen sei eklig mager… Deshalb wurde es zur Strafe von vielen giftigen Schlangen befallen, und viele wurden getötet. Ihr Anführer Moses, der das Privileg hatte, direkt mit Gott zu reden, sollte diesen fragen, was zu tun sei. Seine Antwort war, dass er eine eherne (bronzene) Schlange hoch an einem Pfahl errichten solle. Die Gebissenen sollten die Schlange am Kreuz „anblicken“ , dann würden sie nicht sterben. Was man dann natürlich auch tat. Immerhin also sollten sie die Schlange nicht anbeten – das würde ja auch gegen das Erste Gebot verstoßen –, aber doch immerhin zu ihr aufblicken. Der Anblick dieses abstoßenden Tieres hoch am Kreuz war offenbar als Sühne für die Auflehnung gemeint. Zur Strafe für Auflehnung wird man mit dem Tod bedroht. Als Sühne muss man sich unterwerfen und – statt zu Gott? – zur Schlange emporschauen.

Das Erziehungs- und Herrschaftsprinzip

Unglück und Plagen als göttliche Strafe anzusehen, war und ist seit jeher Grundstroff jeglicher Religion. Sie hat ihren Ursprung in der Angst vor nicht beherrschten Gefahren der Natur und der Umwelt. Der beschriebene Mechanismus war Jahrhunderte lang Grundlage herkömmlicher Erziehung, gerade auch in den Staaten, in denen das Christentum zur Staatsreligion geworden war: Auf falsches Verhalten folgt die Strafe. An ihr erkennt man, dass man falsch gehandelt habe und sich künftig anders, zumindest vorsichtiger verhalten müsse. Das Prinzip dieser Erziehung ist als „Aktion-Reaktion“ bekannt. Die Lehre im vorliegenden Fall scheint klar: Man nörgelt nicht, wenn es einem mal nicht so gut geht, schon gar nicht gegen den göttlichen Ratschluss, sondern hält den Mund. Auch wenn man den Ratschluss nicht versteht, er werde schon immer zum eigenen Besten sein. Vor und nach dieser Szene lässt Gott in der Bibel, wie oft im Alten Testament, sein Volk dessen Feinde besiegen und erschlagen, ihr Land erobern – Entbehrung sei notwendig für Überleben und Sieg, lautet die Botschaft.

Dass Moses als Führer seines Volkes zugleich als Vermittler zu deren Gott erscheint, ist sozusagen ebenfalls der religiöse Normalfall: Nicht nur die damaligen Pharaonen und fernöstliche Kaiser, sondern auch später der Papst als Oberhaupt der Kirche und von ihm eingesetzte Kaiser, Könige usw. begründeten ihre Herrschaft gegenüber ihrem Volk damit, dass sie Träger, Vermittler und Verkünder eines göttlichen Willens seien, gegen den dieses sich nicht auflehnen dürfe, dem es vielmehr zu gehorchen habe. Abbild dieser Gesellschaftsordnung im Großen ist nach herkömmlicher kirchlicher Auffassung im Kleinen die Stellung des Vaters in der Familie. Demnach scheint der Sinn solcher Abbildungen in den Kirchen recht klar: Die Kirche fordert Gehorsam und Duldsamkeit gegenüber der (väterlichen) Obrigkeit ein und droht widrigenfalls drastisch mit göttlicher Strafe. So weit ist die Story von der Schlange am Kreuz sozusagen ein normaler Vorfall zum Thema Religion. Genauer: in ihrer Funktion als Herrschaftsinstrument – im Gegensatz zur Funktion der Religion als Medium der Erkenntnis und Sinngebung.

Kritik und Nörgelei: Schlangen befallen das Volk - Schlange am Kreuz befreit vom Tod
Altarbild St. Knuds Kirche, Odense (Dänemark): Befall durch Schlangen und Erlösung durch die Schlange

Wiederaufnahme im Neuen Testament: Jesus und die Schlange

Aber das ist nur die eine Hälfte der Erklärung. Die andere Hälfte findet sich im Neuen Testament der Bibel, also der ausdrücklichen und ausschließlichen Lehre Christi und des Christentums. Und dort wird es richtig befremdlich. Da heißt es nämlich im Evangelium des Johannes [Joh 3, 14.15]), „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn [Jesus] erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“

Wie bitte, nochmal genau lesen: Die Schlange, im christlichen Schrifttum Sinnbild der Arglist und Sünde, wird mit Jesus, dem Sohn Gottes, nicht nur verglichen, sondern soll gleichermaßen „erhöht“ werden? Will im letzten Halbsatz sagen, „Wer zur Schlange aufblickt, entgeht dem Tode, und ebenso auch, wer zu Jesus aufsieht, erhält das ewige Leben“? Und beim Teilsatz davor muss man sich auch schon mal fragen, ob die Todesfolter durch Kreuzigung für den Betroffenen wirklich als Erhöhung zu verstehen ist und nicht als – wenn auch möglicherweise notwendiges – Erleiden.

Uuhps, ist die christliche Religion vielleicht doch Vielgötterei?

Am einfachsten scheint die Sache auf den ersten Blick für den naiv gläubigen braven Moslem zu sein: Ihm schwante schon lange, dass diese Christen eigentlich doch keine richtig Gläubigen sind, die nur einen Gott haben. Sondern insgeheim, sozusagen verdeckt, mehrere anbeten wie andere Ungläubige auch: Vater, Sohn, Heiliger Geist (keiner weiß genau, wer oder was das sein soll), Jungfrau Maria, diverse Heilige… und jetzt eben auch noch eine Schlange. Kein Wunder! Diese merkwürdigen Christen schrecken doch noch nicht einmal davor zurück, ein blutiges, fast nacktes Folteropfer riesengroß öffentlich zur Schau zu stellen und anzubeten. Und zwar ausgerechnet in ihrer Kirche, dem Ort, wo sie zum innigen, unabgelenkten Zwiegespräch mit dem Allmächtigen Gott finden sollen!

Achtung, liebe/r Leser/in, das war eine klischeehafte Überzeichnung zur Veranschaulichung: Nicht nur gebildete Christen, sondern auch viele kluge Moslems über dem Niveau einer bayrischen Dorfkirche des vorigen Jahrhunderts (sorry, nochmal Klischee/Überzeichnung) wissen jene Dreifaltigkeit sehr wohl zu deuten und zu erklären. Andere weisen darauf hin, dass es sich dabei – und beim Marienkult – vermutlich wirklich um eine versöhnende Angleichung an die populären göttlichen Dreifaltigkeiten in vorchristlichen Religionen handeln könnte, die die Aspekte Entstehen, Vergehen und Ewigkeit verkörperten. Bis etwa zum 12. Jh. wurde die Schlangen-Legende und ihre bildhafte Darstellung im Christentum auch eher vermieden – Diese „Erhöhung“ einer nicht-göttlichen Figur schien befremdlich. Und man wollte sich bei Freund und Feind eben nicht dem Missverständnis der Schlangen-Anbetung aussetzen.

Schlange am Kreuz wird aufgerichtet, damit das Volk zu ihr aufblicken kann
Relief in der Kirche zu Ehningen, vermutlich 17. Jh.: Erhöhung der Schlange

Schwierigkeiten bei der Erklärung

Für Christen, die ihren Glauben genau erforschen wollen, ist die Deutung der erhöhten Schlange in der Tat nicht ganz so einfach. Im christlichen Schrifttum hat die Schlange bekanntlich einen ziemlich schlechten Ruf. Sie ist in der christlichen Lehre zwar klug, mitunter gar das klügste Tier überhaupt, aber auch listig und gar ungehorsam. Sie verführt im Paradies die Menschen dazu, vom Baum der Erkenntnis zu essen, was Gott aber ausdrücklich verboten hat. Der verflucht sie daher zur ewigen Feindschaft mit dem Menschen und dazu, fortan im Staub zu kriechen. In der Tat kann man in einigen Kirchen auch Bilder finden, wo die Schlange vor bzw. während der Verführung noch vier Füße hat – die Strafreaktion erfolgt ja erst nach der Tat.

Schlang vor dem Sündenfall: Klug, aber ungehorsam. Noch hat sie Beine, bis sie von Gott verdammt wird.
Schlange vor Sündenfall und Verfluchung: Hugo van der Goes, ca. 1470

Um so spannender die Frage, warum jener Vergleich mit der Erhöhung im Neuen Testament ausgesprochen wurde. In einem per Google leider nicht mehr auffindbaren Chat im Umkreis der katholischen Kirche stellt ein offenbar junger Christ fast verzweifelt diese Frage: Wie kann man Gottes Sohn mit der sündigen Schlange vergleichen? Wenn es ein „frommes“ Tier gewesen wäre, etwa ein Lamm, könne er das vielleicht nachvollziehen, aber eine eklige, von Gott verfluchte Schlange? Die kirchenväterliche Antwort beginnt mit dem Satz „Deine Frage zeigt, dass Du nicht genügend nachgedacht hast“. Das ist die Allzweckwaffe aller Autoritäten: Wenn du an meiner/unserer Wahrheit zu zweifeln wagst, kann das nur an dir liegen, nicht an meiner/unserer Verkündung: Du warst nicht willens oder nicht fähig, genügend klug, richtig usw. zu denken. Mithin liegt das Problem bei dir, nicht bei mir und meiner Lehre. Wir haben hier sozusagen eine subtilere Form des Aktion-Reaktion-Schemas vorliegen: zweifelnde Fragen sind grundsätzlich zu unterlassen.

Im Chat folgt dann aber etwas umständlich eine Variante der in den christlichen Äußerungen allgemein vorherrschenden Deutung: Jesus habe bei seiner Kreuzigung bekanntlich die Sünden der Menschheit auf sich genommen und sei daher für sie büßend gestorben. Die Schlange versinnbildliche jene Sünde, die durch die Übernahme von Jesus gleichsam gereinigt und damit erhöht werde.

Weiterführende Fragen

Auch diese Deutung lässt natürlich noch einige Fragen offen, wenn sie denn gestattet sind. Aber der vorliegende Artikel kann keine vollständige Glaubensdarlegung bieten. Hier ist selber lesen angesagt. Interessante Fragen dabei könnten im theologischen Sinne sein:

  • Wieso der Tod – der eigene oder der eines anderen – eine Sünde ausgleichen können soll statt zum Beispiel Wiedergutmachung durch gute Taten.
  • Inwieweit die Menschen ihre zu sühnenden Sünden selbst und selbstverantwortlich verschuldet haben, d.h. auch inwieweit sie in der christlichen Religion die Chance hätten, nicht zu sündigen.
  • Warum es trotz eventueller Erbsünde nötig ist, dass Jesus sich opfert, um die Sünde gegenüber Gott zu tilgen. Braucht Gott das? Er hat diese Schuldentilgungsaktion mittels seines Sohnes ja selbst geplant und umgesetzt. Oder braucht seine Kirche das ewigwährende Schuldgefühl, das permanent schlechte Gewissen, zum Gehorsam?

Der außerordentlich scharfsinnige Theologe, Philosoph und Wissenschaftler Giordano Bruno hat im 16. Jahrhundert eine Szene geschrieben, in der die (griechischen) Götter sich darüber beraten, dass die Menschen mal wieder herzlich schlecht geworden seien. Einer von ihnen schlägt vor, einen Sohn von ihnen auf die Erde zu schicken. Die anderen Götter wenden ein: Ach ja, und weil der dann ein paar Kunststückchen vollbringt wie Wasser in Wein verwandeln, Blinde sehend machen usw. und sagt, was wir schon immer gesagt haben – davon sollen die Menschen dann besser werden? Und sie verwerfen den Vorschlag als untaugliche Idee. Nicht zuletzt wegen dieser Szene wurde Giordano Bruno 1600 von der katholischen Kirche auf dem Scheiterhaufen verbrannt. – Aktion-Reaktion halt.

Alttestamentarisches Erziehungsprinzip und klassisches Ideal im Widerspruch

Zur Zeit der Entstehung des Christentums war das alttestamentarische Prinzip Aktion-Reaktion, Gehorsam und Strafe, keineswegs vorherrschend. Die Erziehung der griechischen Jugendlichen etwa setzte in den verschiedenen Schulen Athens eher auf personale Bindung mit Vorbildwirkung, Belehrung über das Gute-Wahre-Schöne, dialektische Durcharbeitung von Widersprüchen und auf die Ermutigung, Fragen zu stellen. Diese Prinzipien wurden im Römischen Reich übernommen, das zur Zeit von Jesus Westeuropa und den Orient beherrschte. Allerdings beruhte die Gesellschaftsordnung in Griechenland und dem Römischen Reich auf Sklavenwirtschaft. In ihr bezog sich jene Erziehung faktisch nur auf die männlichen Sprösslinge der herrschenden Klassen (Adlige, reiche Kaufleute und aus ihren Reihen stammende Politiker), die frei von jeglicher Notwendigkeit zur Arbeitsdisziplinierung waren.

In späteren Jahrhunderten, als das Christentum Staatsreligion in den europäischen Reichen geworden war, galt hingegen das alttestamentarische Ideal von Folgsamkeit und Strafe uneingeschränkt. Insbesondere im aufkommenden Industrialismus wurde es zum herrschenden Prinzip. Damals mussten zunächst auch Erwachsene mittels Arbeitshäusern an die Disziplin durchstrukturierter, arbeitsteiliger Fertigungsprozesse gewöhnt werden. Und nachfolgend bestimmten in den europäischen Nationalstaaten die maschinendominierte Industriefertigung und allgemeine militärische Mobilisierung die Produktion und die Staatsstrukturen. Erst im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert wurde dieses Erziehungs- und Lenkungsprinzip durch verschiedene reformpädagogische Bestrebungen in Frage gestellt. Erst sie stellten wieder das individuelle Fördern von Neigungen und Interessen in den Vordergrund. Und erst über 100 Jahre später, mit dem Beginn der postindustriellen Informationsgesellschaft, wird die bis Ende des 20. Jahrhunderts allgegenwärtige, als notwendig angesehene Prügelstrafe zu einem Straftatbestand.

Moses erhöht die Schlange, das Volk soll zu ihr aufblicken, um dem Tod - Gottes Strafe - zu entkommen
Moses erhöht seine eherne Schlange: Das Volk soll zu ihr aufblicken, um der Strafe zu entgehen (Herkunft des Bildes unbekannt)

Kontext: Realgeschichtliche Entstehungsbedingungen des Christentums

Jesus lebte in Judäa, einer wie üblich teilautonom regierten Provinz des Römischen Reichs im heutigen Nahen Osten, vertreten durch dessen „Statthalter“. Etwas weniger religiös verklärt kann man die Kreuzigung Christi auch als Hinrichtung eines Rebellen verstehen, der die staatliche Ordnung in Frage stellte, beginnend mit der Autorität der regional herrschenden Priesterkaste. Der gegen soziale Hierarchie, für die Gleichheit aller Menschen aus allen sozialen Stellungen – von Paulus bis zur Prostituierten – auftrat. Er wies darauf hin, dass Gewalt (das Schwert) wieder Gewalt hervorbringt, und trat für eine pazifistische Grundhaltung ein. Das reichte. Insbesondere für die regionalen Herschaftsstrukturen und ihre Vertreter, die sich ernsthaft bedroht fühlten. Sie wussten, im Gegensatz zur religiös eher pragmatisch-oberflächlichen römischen Sichtweise, um die potenzielle Kraft der Religion. Schließlich hatte auch die Macht der ägyptischen Pharaonen auf religiöser Grundlage beruht und war mit ihr gebröckelt.

Zudem forderte seine Lehre nicht nur die Einhaltung von Regeln ein, sondern eine empatische, von Mitgefühl geleitete Grundhaltung zu allen Menschen, unabhängig von Stand, Stammesherkunft oder Sprache . Sie richtete sich damit auch nicht begrenzt an eine bestimmte Volksgruppe oder ein bestimmtes Staatsvolk. Damit war das Christentum (zusammen mit dem ideengeschichtlich verwandten Buddhismus) ursprünglich, vom Grundgedanken her, die erste Religion, die die innere Einheit ihrer Religionsgemeinschaft oder auch der eigenen staatlichen Organisation nicht durch Abgrenzung herstellen sollte. Nicht dadurch, dass sie sich feindlich zu einer Außenwelt der anderen, Nichtzugehörigen bzw. Nichtgläubigen definierte, sondern durch alle Grenzen überschreitende Liebe. Mithin kann man diesen Aramäer Jesus (in dessen Muttersprache das Wort für Gott übrigens „Allah“ lautet) in unserem Kulturkreis als ersten Stifter einer vom Anspruch her völkerübergreifenden Weltreligion ansehen.

Das ist kein Zufall, sondern beruht auf gesellschaftlichem Wandel: Im alten Ägypten bildete sich zuvor gegen die Tradition von mehreren regionalen und themenbezogenen Gottheiten der Trend zum Monotheismus (Glaube an nur einen Gott) heraus. Das stand im Zusammenhang mit der Entwicklung jenes großen Reiches unter der zunehmend alleinigen Herrschaft des Pharao. Das nachfolgende Römische Reich selbst ist wohl der erste gelungene Versuch, nicht nur mehrere Stämme zu einem Reich zusammenzuschließen, sondern sogar eine völker-, kultur- und sprachübergreifende Staatsorganisation mit regionaler Differenzierung zu schaffen. Von Britannien über Germanien und Spanien bis nach Nordafrika und den Nahen Osten! In heutigen Kategorien (besser gesagt denen des 18. bis 20. Jahrhunderts) ausgedrückt: so etwas wie einen internationalen Staat.

Vertane Chance?

Zunächst fand die christliche Lehre mit ihrer Botschaft der übergreifenden Gleichheit und Nächstenliebe (ähnlich dem Buddhismus) Zulauf vor allem bei den sozial Benachteiligten. Überregional verbreitete sie sich besonders stark unter Sklaven, aber auch freien Frauen. Entsprechend wurde sie im Reich bekämpft, ihre Anhänger verfolgt und getötet. Erst Jahrhunderte später entdeckte man den Nutzen, wenn man jene Religion als Staatsreligion vereinnahmte. In der Folge setzte sich nicht nur das Prinzip Aktion-Reaktion in Erziehung und Umgang mit der Bevölkerung entfesselt durch. Vielmehr wurden im Namen Christi bekanntlich unzählige Kriege gegen den jeweils äußeren, selbstverständlich ungläubigen Feind geführt und so die Welt erobert. Zur dazu notwendigen Disziplinierung der Eroberer und Eroberten mag die Drohung mit der Schlange einen Beitrag geleistet haben.

Quellen und weiterführende Links