Unzählige Menschen haben die unangenehme Erfahrung machen müssen, sowohl von Wespen als auch von Bienen gestochen worden zu sein. Schmerzen bei einem Bienenstich wurden von Betroffenen im Verhältnis zu Wespenstichen oft als intensiver beschrieben. Der Grund für diese voneinander abweichenden Schmerzwerte ist die Unterschiedlichkeit bei den Stechmethoden von Biene und Wespe.

Insekten einer stachelbewehrten Teilordnung

Die Europäische Honigbiene ist die mit Abstand häufigste Bienen-Art in Mitteleuropa. Sie gehört wie die Arten der Echten Wespen (insbesondere Gemeine Wespe und Deutsche Wespe) zur Insekten-Teilordnung der Stechimmen. Alle Stechimmen-Arten sind stachelbewehrt. Allerdings gibt es bei diesen Spezies ausschließlich Waffenträgerinnen: Nur die Weibchen bei Bienen und Wespen haben einen Stachel. Denn die spitzige Waffe am Hinterteil der wehrhaften Kleinflügler hat sich im Lauf der Evolution aus den Weibchen vorbehaltenen Legerüsseln entwickelt.

Giftige Stiche

Durch den hohlen Stachel wird im Stechapparat produziertes Insektengift beim Einstich in die Körper der Gestochenen gegeben. Das Bienengift mit seinen Wirkstoffen Histamin und Mellitin führt bei den Gestochenen zu relativ harmlosen Schmerzen, Rötungen und Schwellungen unterschiedlicher Stärke. Wespen verfügen über chemisch anders aufgebaute Gifte als Bienen. Ihre Giftlösung beinhaltet u. a. Serotonin. Beide Sticharten können bei Allergikern schwerwiegende Wirkungen auslösen.

Bienenstachel haben Widerhaken

Der entscheidende Unterschied zwischen Wespen- und Bienenstachel ist, dass der Stachel bei Wespen im Gegensatz zu dem der Biene keinen Widerhaken aufweist. Der Widerhaken bewirkt, dass der Bienenstachel in der Haut von Menschen oder Wirbeltieren stecken bleibt. Beim Bienenangriff auf andere Insekten ist das dagegen nicht der Fall. Eine Biene kann also anders als Wespen, die theoretisch mehrmals nacheinander zustechen können, einen Menschen nur ein einziges Mal stechen.

Dieser Stich ist für die Biene tödlich. Beim Abflug bleibt nämlich nicht nur der Stachel in der Menschenhaut stecken, sondern es wird der gesamte Stechapparat aus dem Hinterleib der Biene herausgerissen. An den Folgen dieser Verletzung verendet das Tier. Der abgelöste Stechapparat pumpt weiter Gift in die Stichwunde. Mit bis zu 0,1 Milligramm ist das um ein Vielfaches mehr als eine Wespe pro Stich abgibt. Dadurch wird der Schmerz vergrößert. Dem gestochenen Menschen oder Tier wird drastisch signalisiert, sich vom Bienenstock fernzuhalten. Die Biene opfert sich sozusagen für ihr Bienenvolk

Beim Stich werden zudem Duftstoffe freigesetzt, die die anderen Bienen vor dem als Angreifer eingeordneten Menschen oder Tier warnen.