Wann wurde im Kali Tempel in Kolkata (Kalkutta) das letzte Menschenopfer dargebracht?

Der Kali Tempel in Kalkutta (Kolkata, Calcutta) ist noch heute einer der wichtigsten Pilgerstätten Indiens. Doch der atemberaubende Bau hat zwei Gesichter, denn obwohl dort heute keine Menschenopfer mehr dargebracht werden, werden hier zu Ehren der Göttin Kali noch immer Lebewesen geopfert.

Die hinduistische Göttin Kali

Die Göttin Kali ist im Grunde das personifizierte Böse, denn obwohl sie tief in ihrem Inneren fürsorgend und liebevoll sein soll, ist sie gleichzeitig auch die Muttergöttin und das Symbol für Zerstörung und Tod. Kali wurde der Legende nach geboren, um den Dämonen Mahishasura zu töten. Um ihr Ziel zu erreichen, trank sie das Blut des Dämonen Raktavija. Nur dadurch erlangte sie die Macht, Mahishasura zu töten.

Menschenopfer im Kalighat-Tempel

Der Kalighat-Tempel ist einer der Tempel in Kalkutta, in dem die Muttergöttin Kalika (kurz: Kali) verehrt wird. Er ist auch heute noch einer der wichtigsten Wallfahrtsorten in Indien. Es existierten im 7. Jahrhundert die sogenannten „Thugs“, welche der Muttergöttin zur Besänftigung Menschenopfer darbrachten. Man opferte nur die männlichen Stammesmitglieder, während die Frauen verschont blieben.

Bevor das Opfer starb, wurde es ausgezogen und zunächst auf seine körperliche Unversehrtheit untersucht. Befand man das Opfer als geeignet, wurde es ganz langsam stranguliert, damit sich die Göttin Kali lange an der Opfergabe erfreuen konnte. Der Stamm der Thugs trieb sein Unwesen besonders in Zentralindien und nutze den Kali-Tempel als Wallfahrtsort. Letzten Endes wurden sie von den Briten ausgelöscht. Im Jahr 1882 wurde das letzte Stammesmitglied der Thugs erhängt. Es ist davon auszugehen, dass seit dieser Zeit auch keine Menschen mehr im Kalighat-Tempel geopfert wurden.

Heutige Opferungen im Kalighat-Tempel

Vorab ist zu erwähnen, dass Hindus Tieropfer in der Regel ablehnen und auch Blut in den meisten Tempeln verboten ist. Daher dürfen auch Menschen mit offenen Wunden oder Frauen, die ihre Periode haben, die Tempel nicht betreten.
Trotzdem bestätigen Ausnahmen nun mal die Regel: Auch heute noch werden im Kalighat-Tempel Tieropfer dargebracht, denn man hat dort den Glauben, dass nur dann etwas Neues und Besseres entstehen kann, wenn vorher etwas zerstört wird.

Man bestellt eine junge Ziege, lässt sie vom Priester segnen und zu guter Letzt wird sie vom Fleischer mit einem einzigen Schnitt getötet. Nachdem sie ausgeblutet ist, wird das Blut der Göttin Kali geopfert. Das Ziegenfleisch wird mit nach Hause genommen und als gesegnete Speise – als Prasad – der Familie gereicht. Neben dem Opferblut sind insbesondere Gaben von Süßigkeiten und Blüten obligatorisch – wie bei jedem Tempelbesuch. Auch einige Münzen gehören immer dazu, gelegentlich auch höhere Summen. Die dortigen Priester finanzieren sich durch diese Spenden ihr Leben. Außerdem kocht die Organisation von einem Teil des Geldes Speisen für die Armen, die daher den Tempel regelmäßig zu Hunderten umringen.

Fazit:

Menschen gehören heute glücklicherweise nicht mehr zu den Opfern, die der Göttin Kali im Kali-Tempel dargebracht werden. Wann genau das blutige Spiel ein Ende hatte, lässt sich heute nicht mehr genau nachverfolgen. Allerdings geht man davon aus, dass keine Menschen mehr geopfert wurden, seitdem der Stamm der Thugs von den Briten ausgelöscht wurde.

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