Von Unternehmen wird gesagt, dass sie ständig wachsen müssen, um weiter existieren zu können. Stimmt das wirklich oder steckt nur Profitgier dahinter?

Wettbewerb als Motor des Wachstums

Bis auf wenige Ausnahmen verfolgen Unternehmen in der Regel eine Wachstumsstrategie. Sie wollen mehr Kunden gewinnen, ihren Umsatz steigern und ihren Marktanteil vergrößern. Dafür gibt es mehrere Gründe. Der wichtigste ist in der Natur der Unternehmen selbst begründet. Sie existieren, um einen Gewinn zu erwirtschaften. Das ist aber dauerhaft nur durch Wachstum möglich.

Fast alle Firmen stehen im Wettbewerb mit anderen, die ähnliche oder dieselben Produkte herstellen. Wenn ein Unternehmen nicht wächst, verliert es an Einfluss und Bedeutung und wird von der Konkurrenz vom Markt verdrängt. Mitbewerber stellen dieselben Produkte besser und billiger her, so dass die Kunden die Produkte der anderen Firma nicht mehr kaufen wollen. Wenn die Verkaufszahlen einbrechen, kann das Unternehmen die Betriebskosten nicht mehr aufbringen und muss Konkurs anmelden. Mit anderen Worten, es stirbt den Tod aus finanziellen Gründen.

Wachstum bringt Vorteile

Wenn ein Unternehmen wächst, bringt das viele Vorteile mit sich. Es entsteht zum Beispiel eine Lernkurve. Das verdeutlicht ein Beispiel. Am Anfang werden neue Produkte mühsam in Handarbeit hergestellt. Das ist aufwendig und teuer. Die Produktion ist nur in kleinen Stückzahlen möglich. Um die Kosten zu decken, muss der Preis relativ hoch sein. Wenn das Unternehmen wächst, tüftelt es neue Methoden und Verfahren aus, um dieselben Produkte schneller und in immer besserer Qualität herzustellen.

Handarbeit wird durch Maschinen erledigt und letztendlich wird die automatisierte Massenproduktion aufgenommen. Die Kosten steigen nicht in demselben Ausmaß wie die Stückzahl. Davon profitiert nicht nur das Unternehmen durch steigenden Gewinn, sondern auch die Kunden durch sinkende Preise, kombiniert mit besserer Qualität. Ein Beispiel dafür ist das Auto. Die ersten Exemplare wurden noch in Handarbeit hergestellt und waren so teurer, dass sich nur wenige Reiche ein Auto leisten konnten. Durch die industrielle Massenproduktion wurde die Herstellung jedoch so effizient, dass sich heute fast jeder ein Auto leisten kann und die Fahrzeuge das moderne Leben erst ermöglichen.

Größer ist meist besser

Wachstum führt zu Größe. Das bringt Vorteile im Wettbewerb. Größere Unternehmen sind bekannter als kleinere, unter anderem weil sie mehr für Marketing ausgeben können. Kunden tendieren dazu, eher bekannte Marken zu kaufen und für Werbebotschaften empfänglich zu sein. Wenn die Wirtschaft schrumpft, haben größere Unternehmen mehr Reserven als kleine. Es fällt ihnen schwerer, schlechte Zeiten zu überstehen und bei einer Wiederbelebung des Marktes erneut zu wachsen.

Ein Nachteil großer Unternehmen ist aber, dass Sie zunehmend unflexibler und weniger innovativ werden. Manchmal werden Sie dann von kleineren kreativen Unternehmen überholt. Insbesondere in innovativen informationstechnisch geprägten Märkten, können sich auch große Player nicht ausruhen. Beispiele hierfür sind etwa Yahoo oder AOL. Oft wird weniger Kapital benötigt als für den Aufbau von Fabriken und die Idee bzw. Innovation spielt eine größere Rolle als im industriellen Bereich. Inzwischen stehen in Wachstumsphasen digitalen Unternehmen auch große Mengen an (Risiko-) Kapital zur Verfügung.

Den Anschluss verlieren können große Unternehmen aber auch wenn es um klassische Produktion geht. Ein solches Beispiel ist das Unternehmen Nokia, welches lange Zeit den Handymarkt dominiert. Dann aber die Entwicklung des Marktes hin zum Smartphone verpasst hat.

Wachsen alle Unternehmen?

Nein, denn Unternehmen sind keine Lebewesen. Es gibt viele kleine Unternehmen, die mit dem Marktanteil zufrieden sind, den sie im Moment innehaben. Beispiele dafür sind Familienbetriebe aus dem handwerklichen Bereich. Warum sollte der Bäcker oder Metzger an der Ecke expandieren und woanders neue Filialen eröffnen wollen? Der Sohn oder die Tochter wird einmal das Geschäft übernehmen und die Kunden kommen aus der Nachbarschaft. Sie kaufen dort, weil sie die Inhaber persönlich kennen und mit Qualität und Preis zufrieden sind. Da besteht kein Grund zum Wachstum. Auch Unternehmen in kleineren spezialisierteren Märkte sind weniger einem Wachstumsdruck ausgesetzt.