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Was versteht man unter religiöser Toleranz?

Auf erster Ebene geht es bei religiöser Toleranz darum, anderen zu erlauben, Überzeugungen zu vertreten, die dem eigenen Glauben zuwiderlaufen. Religiöse Toleranz erfordert nicht, dass gegensätzliche Überzeugungen erleichtert, unterstützt oder nicht widersprochen werden – aber sie erfordert, dass konkurrierende Überzeugungen existieren dürfen.

Die bloße Existenz konkurrierender Glaubenssysteme ist an sich schon Kritik. Zum Beispiel ist es schwierig, die Bibel zu lesen, ohne den Eindruck zu erwecken, dass hinduistische und muslimische Überzeugungen völlig falsch sind. Und sicherlich verurteilt die Grundprämisse des Islam die ketzerische christliche Behauptung, Jesus sei der Sohn Gottes.

Die atheistische Perspektive

Atheismus ist weder ein Glaubenssystem noch eine Religion. Ein Konflikt entsteht durch Widerspruch – der sich nur dann auf Nichtgläubige auswirkt, wenn Religionen entsprechende Ansprüche stellen. Zum Beispiel ist die biblische Behauptung, dass Jesus damit beschäftigt ist, Villen im Himmel zu bauen, für einen Atheisten genauso bedeutsam wie der islamische Glaube, dass sich in diesen Villen Jungfrauen befinden. Tolerant ist es solche Überzeugungen hinzunehmen, auch wenn sie unprüfbar erscheinen und nicht bewiesen werden können. Probleme entstehen, wenn Gläubige Behauptungen aufstellen und aktiv Regeln durchsetzen wollen, die sich auf die Realität auswirken – wie die von Kreationisten und die religiöse Gewohnheit, allen anderen ihre Moral und Sensibilität aufzuzwingen.

Es gibt keinen gläubigen Atheisten – oder zumindest, wer behauptet, ein gläubiger Atheist mit einer unveränderlichen Sichtweise zu sein, hat den Atheismus eher aus emotionalen Gründen gewählt. In Wirklichkeit erheben nur sehr wenige Atheisten einen Anspruch auf Wissen über unbeantwortete Fragen.

Die Probleme der religiösen Toleranz

Die Probleme hängen von einigen Faktoren ab:

– Schrift – einschließlich Weisungen einer Gottheit, eines Propheten oder einer ähnlich wichtigen religiösen Figur.
– Grad der Religiosität
– Aufrichtigkeit und Einfühlungsvermögen

Schrift

Im Falle der Bibel sind die Religionsanhänger nicht einheitlich in der Art und Weise, wie sie die Bibel verwenden. Am einen Ende sehen wir diejenigen, die die Schrift eher als einen Leitfaden sehen, in dem die grundlegende Botschaft wahr ist – aber die Texte selbst unterliegen Fehlinterpretationen oder Irrtümern. Für solche Menschen ist es einfacher, Toleranz zu üben. Am anderen Ende sehen wir die Fundamentalisten, die großen Wert auf die Innerlichkeit der Schrift legen – obwohl sie wie weniger Gläubige dazu neigen, die Abschnitte der Schrift auszuwählen, die ihrem persönlichen Glauben entsprechen.

Christliche, jüdische und islamische Schriften sind eher direkt, wenn es um die Duldung anderer Götter geht. Die Abkehr von dem wahren Gott führt dazu, in der Verdammnis zu enden. Der tolerante Gläubige wird den Ansatz wählen, dass andere Religionen einfach andere Wege zu Gott sind, oder dass Gott diese Ungläubigen am Jüngsten Tag sicher freundlich beurteilen wird – doch ist dies nicht ohne Weiteres mit den heiligen Schriften zu vereinbaren.

Grad der Religiosität

Der Grad der Religiosität bestimmt, wie ernst ein Gläubiger seine Religion lebt und erlebt, diktiert aber nicht unbedingt den Inhalt des Glaubens. Zum Beispiel sind sich nicht alle christlichen Fundamentalisten in allen Fragen ihrer gemeinsamen Religion einig.

Wenn Gläubige nicht agressiv versuchen Ungläubigen zu bekehren oder gar zu bestrafen, dann wird auch eine fundamentalistische Sichtweise nicht zu schweren Konfliketn führen. Die meisten Gläubigen versuchen glücklicherweise nicht, die Gebote ihrer Götter durch Zwang und Gewalt bis hin zum Mord durchzusetzen.

Aufrichtigkeit und Einfühlungsvermögen

Hinsichtlich Aufrichtigkeit und Einfühlungsvermögen riskieren die freundlicheren und toleranteren Gläubigen den Vorwurf durch stärker religöse Glaubensgenossen, dass sie in ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Mitmenschen vorsätzlich nachlässig sind. Sind sie doch aus Sicht der jeweiligen Überzeugung auf dem falschen Weg und müssten ihre Mitmenschen daran hindern, über die sprichwörtliche (falsche) Brücke zu fahren.

Fazit

Aus Sicht von dogmatischen/fundemantalistischen Gläubigen, ist religiöse Toleranz als falsch und schlecht anzusehen:

  • Da der eigene Glaube als richtig angesehen wird, ist Toleranz eine herzlose Missachtung des ewigen Heils der Ungläubigen. Er muss im Interesse des (richtigen) Gottes und des Ungläubigen (Falschgläubigen) zum wahren Glauben bekehrt werden, droht ihm doch sonst ewige Verdammnis. Es ist gleichbedeutend damit, einem Freund zu raten, keine Dose Benzin zu trinken, aber dann einfach nur dabei zu sitzen und mit Desinteresse zuzusehen, wie er die Dose öffnet.
  • Der zweite negative Punkt ist aus dieser Sicht die Verwandlung der Religion in etwas Verwässertes, dass eher eine vage Hoffnung als ein echter Glaube ist.

Bei mangelnder Toleranz und unterschiedlichem Glauben entsteht ein hohes Konfliktpotential, dass früher wie heute in Gewalt und Spaltung der Gesellschaft endet.

Der tolerante Ansatz hingegen sorgt für eine friedlichere Gesellschaft und erlaubt einen friedlichen Multikulturalismus. Voraussetzung ist, dass die christlichen Gläubige, genau wie die Anhänger aller anderen Glaubensrichtungen, in ihrer Rolle als „Hüter ihres Bruders“ (Gen.1,8-9) nicht anderen in Worten und Taten Ihren Glauben und damit verbundene Regeln versuchen aufzwängen.

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