Stimmt es dass man Fleisch von ausgegrabenen gefrorenen Mammuts noch essen kann?

Ja, wenn Du ein Mammut findest, an dem noch Fleisch ist, kannst Du das auch essen. Bleibt nur die Frage, ob Du dann noch Zeit hast, anderen davon zu berichten. Und wenn Du es überlebst, ob Du Lust hast, davon zu berichten, oder ob Dir schon bei der Erinnerung daran wieder speiübel wird. Lass uns die Möglichkeiten und Bedingungen  der Reihe nach durchgehen.

Wenn ein Mammut einfach so tot umgefallen ist, hat der Verwesungsprozess sofort begonnen; wenn es heute noch Reste davon gibt, kam es also sozusagen schon als Gammelfleisch in die große Kühltruhe. Für einen Verwesungsprozess, an dem viele Mikroorganismen und chemische Vorgänge beteiligt sind, ist vor allem auch Sauerstoff notwendig. Mit normal verwesendem Fleisch würdest Du Dich sofort vergiften. Aber da es bestialisch stinkt, würdest Du noch nicht einmal in seine Nähe kommen, geschweige denn einen Bissen herunterbekommen.  Am Ende dieses Verwesungsprozesses ist kein Fleisch mehr da, sondern nur noch das Skelett.

Im Idealfall ist unser Mammut also ins Eis eingebrochen oder, noch besser, in einem Schneesturm lebendig schockgefroren worden. Im Wasser wäre es nämlich erstmal eine weiße, glitschige  Wasserleiche geworden. Im Eis gibt es ja nur wenig Sauerstoff und Mikroorganismen. Es ist aber nicht so, dass im Eis gar nichts passiert. Das wäre nur bei einer Temperatur von -273,15 Grad Celsius der Fall, beim absoluten Nullpunkt. Die tiefsten Temperaturen der Erde liegen aber ca. 200 Grad höher, sind also vergleichsweise angenehm warm. Und wenn der Permafrost ein Mammut freigibt, bedeutet das logischerweise, dass dort die Temperatur über 0 Grad Celsius gestiegen ist. Aus dem Frost wieder auftauchende Mammuts sind also auch eine Folge der Klimaerwärmung und lagen vielleicht erstmal eine Weile ungekühlt herum, bis sie gefunden wurden. Die Lebensmittelindustrie empfiehlt, frisch eingefrorenes Fleisch spätestens nach einem Jahr zu verzehren, weil es sonst auch tiefgefroren verdirbt. Angesichts dessen, dass die Mammuts vor ca. 300.000 bis 4.000 Jahren gelebt haben, hat unser Mammut sein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) jedenfalls schon lange überschritten, auch wenn ihm das keiner auf die Verpackung geschrieben hat.

Man kann unser Mammut also nicht wie eine Tiefkühlpizza auftauen und dann etwa an einem großen Spieß braten wie Spanferkel oder Pfingstochsen; und man kann auch nicht eine Unmenge saftiger Steaks aus ihm heraussäbeln und in riesige Pfannen schmeißen. Je nach Wasser-  und Sauerstoffanteil  im Eis ist unser Mammut nämlich in der Zwischenzeit im Eis längst gefriergetrocknet und mumifiziert. Dabei ist übrigens sehr wahrscheinlich Ammoniak freigesetzt worden, das ziemlich fies nach Putzschrank riecht. Je nach Zusammensetzung der Umgebung und damit Art des Zerfallsprozesses  ist also Mammut nicht gleich Mammut.  Jedenfalls sind die Fleischfasern, soweit sie noch vorhanden sind,  ausgetrocknet und in ihrer chemischen Zusammensetzung stark verändert; sie haben also in Konsistenz und Geschmack kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Mammutfleisch gemein. Andererseits  so als getrocknete Mumie ist unser Mammut recht gut haltbar. Expeditionen nehmen  unter kontrollierten Bedingungen gefriergetrocknetes Essen mit, weil es länger haltbar ist, wenig wiegt und zur Zubereitung nur in Wasser gekocht werden muss. Über Geschmack und Verdaulichkeit lässt sich streiten – was der Hersteller naturgemäß anders sieht. Die MHD von gefriergetrockneten Nahrungsmitteln liegt laut Herstellerindustie bei ca. 15 Jahren, die Haltbarkeit für den Verzehr bei bis zu 25 Jahren – für Lebensmittel eine lange Zeit, für die Mammuts lächerlich wenig.

Unser Mammut sieht also im besten Fall aus wie Ötzi, der vor ca. 5300 Jahren in den Alpen ermordet wurde und mithin theoretisch noch lebendige Mammuts gesehen  haben könnte – aber mal ehrlich, wer möchte den schon essen?

Angeblich haben  es aber doch schon einige getan – so richtig überprüfen lässt sich das aber nicht:

So berichtet eine Pressemitteilung von 2014, „Ein Amateur-Gastronom, der ein mit Gewürz und Soße zubereitetes Stück vom 1900 in Sibirien gefundenen „Beresowka-Mammut“ aß, um dessen Geschmack kennen zu lernen, gestand später, er habe nie im Leben etwas Widerwärtigeres gegessen“ (http://pressemitteilung.ws/node/501060). Überprüfen lässt sich diese Mitteilung nicht – angebliche Mutproben sind auch im Internet nicht selten, wenn man hoffen kann, damit berühmt zu werden.

Mitglieder des Explorer Clubs haben sich gerühmt, 1951 Mammut-Fleisch gegessen zu haben, das angeblich zwei ihrer Forscher von einer Polarexpedition mitgebracht hatten. Ein Clubmitglied war nicht dabei und bekam seine Portion nach Hause geschickt. Er aß aber den Deliver Service nicht, sondern packte ihn in ein Einweckglas. Daran konnte die Evolutionsbiologin Jessica Glass später mittels DNA-Analyse nachweisen, dass es sich um Suppenschildkröte handelte, wie die Süddeutsche Zeitung 2016 berichtete (http://www.sueddeutsche.de/wissen/dna-analyse-was-hinter-der-maer-vom-mammutfleisch-steckt-1.2851404). Damals gab es zwar noch kein Internet zum Berühmtwerden, aber die Forscher brauchten dringend Geld und Aufmerksamkeit: Durch die aufkommende Raumfahrt wurde die Polarforschung als letztes oder jüngstes  Abenteuer der Menschheit abgelöst.

Fazit: Wenn Dir jemand Mammutfleisch serviert und Du kriegst es runter, ist es mit Sicherheit keins.

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