Homosexualität – späte Einsicht für eine normale Art zu lieben: Bis zum Jahr 1992 wurde Homosexualität, also die Liebe zum eigenen Geschlecht, als Krankheit aufgeführt. Was schockierend klingt, ist wirklich wahr. Die gleichgeschlechtliche Liebe wurde seit dem Mittelalter oft als krankhafte Neigung kategorisiert. Erst viele hunderte Jahre später entwickelte sich eine Akzeptanz.

Antike bis zum Mittelalter

Tatsächlich war Homosexualität schon in der Antike in fast allen Kulturkreisen eine völlig normale Art seine Sexualität zu leben. Die Menschen damals fanden Sex mit Menschen des gleichen Geschlechts weder anstößig noch auf irgendeine Art und Weise krankhaft. Erst durch die christliche Bewegung wurde Analverkehr als Sünde betrachtet und als „Sodomie“ bezeichnet. Sodomie war für die Christen eine sexuelle Handlung, die nicht der Fortpflanzung dient. Besonders der Sexualverkehr zwischen Männern war problematisch für viele. Es kam sogar zu Verfolgungen und Hinrichtungen auf dem Scheiterhaufen.

Entwicklung seit dem Mittelalter

Die Hochphase der Verfolgungen war im Spätmittelalter. Im Jahr 1871 wurde die „widernatürliche Unzucht“ als Paragraph 175 ins Reichsstrafgesetzbuch aufgenommen. Männer mussten mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen, wenn sie bei homosexuellen Handlungen erwischt wurden. Erst durch die Schriften des Arztes Richard von Krafft-Ebing wurde Homosexualität komplett aus dem Strafgesetzbuch entfernt. Laut ihm sei Homosexualität eine angeborene Nervenkrankheit. Diese Kategorisierung wurde im Dritten Reich nochmal verschärft und blieb lange Zeit bis in die Bundesrepublik erhalten. Wer nun bei einer sexuellen Handlung erwischt wurde, musste zwar nicht mit Gefängnis, allerdings mit einer Einweisung in die Psychiatrie rechnen.

1992 endlich die Wende

1948 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität als psychische Störung in ihren Krankheitskatalog aufgenommen. Ab 1992 taucht sie allerdings nicht mehr auf. Im Gesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland bestand der Paragraph 175 bis 1994 weiter. Allerdings wurden schon seit den 1950er Jahren homosexuelle Handlungen nicht mehr verfolgt. Voraussetzung war, dass sie im gegenseitigen Einvernehmen stattfanden. Grund war die fortschreitende Aufklärung und gesellschaftlichen Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Liebe. Besonders die Bewegungen im Jahr 1969 hatte großen Einfluss auf die Emanzipation der homosexuellen Bewegung. Zwar gibt es einige Psychologen, die immer noch der Meinung sind, Homosexuelle müssten therapiert werden, aber der breite Konsens lehnt diese Einstellung ab.