Wo liegt der Unterschied zwischen Integration und Inklusion? Was ist das Gegenteil von Integration?

Eine Gesellschaft setzt sich aus vielen verschiedenen Individuen und sozialen Gruppen zusammen. Integration und Inklusion sind nach ihrer Definition bewusste Vorgehensweisen, um bestimmte Gruppen in die Gesellschaft einzubeziehen und Teil einer Gruppe werden zu lassen. Gerade für Personen die dabei Hilfe benötigen oder es alleine nicht schaffen. Während die Integration jedoch auf bestimmte soziale Gruppen abzielt, verfolgt die Inklusion insbesondere das Ziel, behinderte Menschen in die Welt der Menschen ohne Behinderung einzubeziehen.

Integration

Oft sind besondere Schritte erforderlich, um einzelne Gruppen zu einem Teil der Gesellschaft zu machen, sie also zu integrieren. Im Fall von Menschen mit Migrationshintergrund gehören dazu zum Beispiel Sprachkurse. Denn das Beherrschen der deutschen Sprache ist die Voraussetzung dafür, überhaupt gesellschaftlichen Anschluss und auch Arbeit zu finden.

Integration kann auch bedeuten, den zugewanderten Menschen Hilfestellungen dabei zu geben, sich in unserem Land zurechtzufinden. Wie findet man eine Wohnung, wie funktioniert das Schulsystem und welche Institution kann einem bei verschiedenen Problemen helfen? Das Ziel von Integrationsarbeit ist, dass die betreffenden Menschen zu einem Teil der allgemeinen Gesellschaft werden und sich mit ihr identifizieren.

Inklusion

Diese Form der Einbeziehung bedeutet, dass jeder Mensch so akzeptiert wird und dazugehört, wie er ist. Noch immer gibt es viele Situationen, in denen Behinderte nicht an alltäglichen Dingen teilnehmen oder teilhaben können. Entweder, es ist einfach nicht vorgesehen, oder es fehlen die technischen Voraussetzungen. Inklusion bedeutet, diese Teilnahme selbstverständlich zu machen und die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Paradebeispiele

Es gibt viele Schulen und Kitas, die beschließen, sich für Inklusion zu öffnen. Dazu gehören eine barrierefreie Gestaltung und die Ausstattung mit entsprechend qualifiziertem Personal. Es zeigt sich, dass ein gemeinsamer Schulalltag von nichtbehinderten und behinderten Kindern viel Positives mit sich bringt. Es wird selbstverständlich, gegenseitig Rücksicht zu nehmen und einander zu helfen. So entsteht viel soziale Kompetenz.

Erfolge bei der Integration sieht man vor allem anhand von Einzelschicksalen. Menschen kommen nach Deutschland, lernen deutsch, nehmen vorhandene Hilfsangebote an und machen eine Berufsausbildung. Mit dem erforderlichen Engagement kann es also klappen, sich hier ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen und ein Teil unserer Gesellschaft zu werden.

Was ist das Gegenteil von Integration?

Die Frage, was das Gegenteil von Integration ist, lässt sich nicht trennscharf beantworten und ist letztlich eine Definitionsfrage. Je nach (wissenschaftlichem) Blickwinkel und Zusammenhang lassen sich unterschiedliche Antworten geben. Zwei mögliche Sichtweisen sollen hier dargestellt werden:

Als Gegenteil von Integration lässt sich die Segregation definieren.

Seggregation bedeutet so viel wie „Trennen“ oder „Absondern“ und beschreibt im bisherigen Kontext die Konzentration einer Personengruppe in einem bestimmten Teilgebiet. Im Rest des betrachteten Gebiets ist dise Personengruppe entsprechend unterrepräsentiert.

Während das Thema der gesellschaftlichen Inklusion erst seit etwas mehr als zehn Jahren auf der Agenda steht und eine wirkliche Analyse der gesellschaftlichen Effekte noch aussteht, gibt es die Frage der Integration schon beträchtlich länger. Zwar gibt es die beschriebenen Einzelerfolge, doch die Diskussion über die Integrationsproblematik verfolgt unsere Gesellschaft seit einigen Jahrzehnten. Dabei herrschen durchaus auch unterschiedliche Meinungen ob überhaupt eine umfassende Intregration anzustreben ist / notwendig ist oder auch Teilgesellschaften eine gesellschaftlich akzeptable Lösung sein können. In den Erkenntnissen der soziologischen Forschung wird darauf hingewiesen, dass diese Parallelgesellschaften tendenziell zu Konflikten führen können. Aber auch nicht zwingend müssen. Was gesellschaftlich gewünscht ist, muss die jeweilige Gesellschaft letzlich selbst definieren.

In zahlreichen deutschen Großstädten gibt es heute Wohngebiete, in denen sich bestimmte kulturelle Minderheiten konzentrieren. Oft ist es dort nicht einmal mehr erforderlich, deutsch sprechen zu können. Denn die Betreiber von Lebensmittelgeschäften, Apotheken und anderer Dienstleistungen sind selbst Angehörige der betreffenden Minderheit und sprechen auch die entsprechende Sprache. Hier ist die Gefahr groß, dass sich die genannten Parallelgesellschaften bilden, die dann praktisch das Gegenteil von Integration darstellen. Es ist leicht nachzuvollziehen: Eine der Voraussetzungen für eine Parallelgesellschaft ist eine „kritische“ Masse einer Personengruppe mit entsprechenden Merkmalen.

Als Gegenteil von Inklusion und Integration lässt sich auch die Exklusion definieren.

Exklusion bedeutet so viel wie „Ausgrenzen“ und „Ausschluss“. Mit dem Begriffs Segregation als Gegensatz zur Integration wurde zuvor eher der Vorgang bzw. das Ergebnis beschrieben. Was zunächst offen lässt ob die Absonderung der Personengruppe freiwillig erfolgt ist oder nicht. Bei einer Verwendung des Begriffs Exklusion als Gegensatz zur Integration, muss man der Bedeutung nach in der Regel eine aktive Ausgrenzung der Personen oder Gruppierungen gegen ihren Willen annehmen.

Integration, Segregation und Exklusion: Alles keine neuen Erscheinungen

Die räumliche Konzentration von Untergruppen entlang bestimmter Merkmale (z.B. nach Vermögen, Religion oder entnischer Abstammung) war allerdings selbst vor hunderten von Jahren keine neue Erscheinung. Zum Beispiel im Mittelalter erfolgte typischerweise in der Stadt eine (tendenziell freiwillige) räumliche Trennung von Handwerkern und Kaufleuten. Aktuelle Beispiele aus der heutigen Zeit sind etwa die „China Town“ oder das „Jüdische/Griechische/Italiensche Viertel“ in vielen Städten der USA. Entsprechende Beispiele lassen sich für einen fast unbegrenzt zurückliegenden Zeitraum finden. Genauso ließe sich eine lange lange Liste von aktiven Ausgrenzung von Personengruppen gegen ihren Willen erstellen (Christen, Juden, Moslems, Schwarze, Flüchtlinge, Arme Menschen etc.).

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