Die Kokarde der französischen Revolution: Was ist das und was hat das mit der französischen Flagge zu tun?

Frankreichs Flagge ist nicht die einzige Flagge mit der Dreierkombination von Blau-Weiß-Rot. Unbestritten aber gehören die drei Senkrechtstreifen in der Frankreich-Flagge zu den bekanntesten Nationalsymbolen überhaupt. Der Ursprung der französischen Trikolore hängt eng mit den Ereignissen der Französischen Revolution zusammen. Ob und inwiefern die damals bei den Revolutionären populäre Kokarde mit der Ursprungsgeschichte der Trikolore zusammenhängt, ist allerdings nicht endgültig geklärt.

Frankreich im Umbruch von Bourbon-Weiß zu Republik-Tricolor

Wie jede Revolution war auch die Französische Revolution kein zeitlich auf wenige Tage reduzierter plötzlicher Umbruch, sondern stellte sich als historischer Prozess mit Vor- und Nachgeschichte dar. Nach einer gängigen Einteilung begann die Französische Revolution am 5. Mai 1789 mit der dem König abgenötigten Eröffnung der Generalstände (Dreistände-Parlament) in Versailles. Am Anfang standen gemäßigte Forderungen der bürgerlichen Vertreter nach Reformen in Richtung einer konstitutionellen Monarchie im Vordergrund.

Bald aber radikalisierte und proletarisierte sich die Stimmung. Forderungen nach Brot, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verbanden sich mit der durchaus begründeten Angst vor einer Gegenrevolution. In vielen Provinzen sammelten sich Monarchisten unter dem weißen Lilienbanner der Bourbonen-Könige. König Ludwig XVI. wurde zum Umzug vom konservativen Versailles ins revolutionäre Paris gezwungen.

Am 14. Juli 1789 wurde die Bastille als Symbol absolutistischer Tyrannei gestürmt. Die daran beteiligten Angehörigen der „Nationalgarde“ genannten Pariser Revolutionsmiliz sollen an ihren Hüten Kokarden in den Farben von Paris (Blau und Rot) getragen haben. Später tauchten dreifarbige Kokarden mit Weiß in der Mitte auf. 1790 wurde diese Farbenkombination auch in ersten Trikoloren bei Aktionen der Revolutionäre gezeigt.

Extremisten wie Robespierre und Danton verdrängten im Lauf der Ereignisse die gemäßigten Kräfte. 1792 wurde die Monarchie abgeschafft und in Folge das Tragen der Kokarde zur gesetzlichen Bürgerpflicht erklärt. Während der „Terreur“ genannten Schreckensherrschaft (1793/94) starben der König und Tausende weitere tatsächlich oder angebliche Gegenrevolutionäre auf dem Schafott. 1795 setzte sich schließlich das Besitzbürgertum durch. Frankreich wurde von einem pseudo-demokratischen Direktorium regiert bis sich Napoleon 1799 als starker Mann eines Militärrates an die Macht putschte.

Mit der Krönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen 1804 begann eine neue Ära. Der sich im Gegenentwurf zu den Bourbonen-Königen als Volksmonarch verstehende Napoleon hat zahlreiche Errungenschaften der Umbruchzeit ab 1789 übernommen. Dazu gehörte auch das Festhalten an den in der Revolution entstandenen Symbolen Kokarde und Trikolore. Napoleon selbst trug die rot-weiß-blaue Kokarde an seinem berühmten Zweispitz.

Ursprungsthesen

Wie das Weiß in die rot-blaue Kokarde der Nationalgarde geraten ist, ist strittig. Viele Historiker vertreten die Meinung, dass der gemäßigte Kommandeur der Nationalgarde, Lafayette, dafür verantwortlich gewesen war. Er soll am 17. Juli 1789 die Kokarde anlässlich der Anerkennung der Nationalgarde durch den König mit einem weißen Mittelstück ergänzt haben. Die Einbindung des monarchischen Weiß durch die beiden Revolutionsfarben Blau und Rot sollte danach sowohl die Kontrolle der Königsmacht durch das Volk als auch die legitime Eingebundenheit des Königtums in die politische Zukunft Frankreichs symbolisieren.

Ob die Kokarde dann später tatsächlich als Vorbild für die Trikolore gedient hatte, wie oft behauptet, darf zumindest bezweifelt werden. Möglicherweise war die Trikolore in Anlehnung an die niederländische Prinsenflag entstanden. Seit dem 16. Jahrhundert hatten niederländische Rebellen diese durch rot-weiß-blauen Längsstreifen bestimmte Fahne im Kampf gegen die spanische Herrschaft geführt.

Ferner könnte die Vorliebe der Franzosen für Blau-Weiß-Rot aber auch im Zusammenhang mit den damaligen Ereignissen in Nordamerika gestanden haben. Gleichzeitig zur Französischen Revolution befanden sich nordamerikanische Aufständische im Kampf gegen die britische Kolonialmacht. Dieser Kampf endete schließlich mit der Gründung der USA. Als Farben für ihre seit 1777 geführte Unionsflagge hatten die Amerika-Rebellen Blau, Weiß und Rot gewählt.

Die Trikolore setzt sich durch

1794 erklärte der Revolutions-Konvent die Trikolore, die vorher bereits als französische Seekriegsflagge eingesetzt worden war, offiziell zur Nationalflagge. Jetzt wurde das Rot als Versinnbildlichung für Brüderlichkeit, das Weiß für Gleichheit und das Blau für Freiheit erklärt. Nach dem endgültigen Zusammenbruch des napoleonischen Kaiserreiches 1815 wurde die von der Reaktion verhasste Trikolore unter Ludwig XVIII. und Karl X. wieder durch das Königsweiß verdrängt. Der durch die Julirevolution auf den Thron gelangte „Bürgerkönig“ Ludwig Philipp führte die Trikolore allerdings 1830 wieder ein. Seitdem ist sie endgültig trotz mehrerer drastischer Brüche in der französischen Geschichte Nationalflagge geblieben.

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