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Woher kommt eigentlich der Begriff `Moin Moin´?

Einen Gruß aus Norddeutschland an den Rest der Welt. Denn wir behaupten mit den meisten Sprachforschern erstmal: Von hier kommt „Moin Moin“, genauer: etwa von Schleswig-Holstein bis ins nördliche Niedersachsen und Bremen. Von dort hat es sich seit den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts langsam im gesamten Deutschland ausgebreitet.

„Jo, Moin“, oder auch „Moin Moin“ heißt in Norddeutschland, je nach Tageszeit, Anlass und sozialem Kontext „Hallo“, „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Guten Abend“, „ich bin da und möchte was kaufen“, „schön, Dich zu sehen“, „ich habe nicht vor, hier einen längeren Vortrag zu halten“ und vieles mehr. Es handelt sich um eine geniale Begrüßungsformel, weil man sie, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, anwenden kann. Auch wenn man z.B. nach einer durchfeierten Nacht bei irgendwie schrägstehender Nachmittagssonne von einem unbekannten Zeitgenossen wachgerüttelt wird, liegt man spontan mit „Moin Moin“ oder „Moin“ immer richtig.

Moin oder Moin Moin umfasst also viel mehr als Guten Morgen, wie mancher vielleicht annimmt. Es ist ein Gruß, der fast liebevoll anmutet. Es gibt kaum jemanden, der seinen Erzfeind oder einen anderen ungeliebten oder unsympathischen Menschen mit „Moin“ grüßen würde. Den würde man viel förmlicher betont hochdeutsch mit „Guten Tag“ oder ähnlich grüßen.
Somit ist „Moin Moin“ nicht nur eine familiäre, unförmliche Begrüßungsformel, sondern ein sehr achtender und ehrbarer Gruß.

„Moin, moin“ sagen allerdings nicht alle Norddeutschen. Insbesondere nördlich des Nord-Ostsee-Kanals, insbesondere dort im Nordwesten, in Dithmarschen, gilt „Moin Moin“ bereits als geschwätzig. Hier gilt und genügt das einfache „Moin“. Bestenfalls verrät sich hier mit „Moin Moin“ der Nicht-Nativspeaker.

Wenn der Bauer Hinrich in Dithmarschen den Kohlverkäufer Heinrich trifft, könnte ein Dialog folgendermaßen aussehen: „Moin, Hein“, „Moin Hinnerk“, „wat‘n Schietwedder hüt. Nich good för de Kohlköpp, wa?:“ „Jo, Hein, Jo, gar nöch good!“ Später denn inne Kniep bei Lütt un Lütt: „Moinsen Hein“ – „Moinsen Hinnerk“. Sehr viel länger werden solche Dialoge übrigens selten, der Norddeutsche schnackt nich lang rum.

Die Herkunft und Geschichte des Wortes ist allerdings lang und edel und manchmal auch umkämpft und umstritten: Im Mittelniederdeutschen gab es das Wort „moi“, das bedeutete „schön, angenehm, gut, schmuck“. Von daher gesehen wünscht man also jemandem etwas Schönes, Angenehmes, Gutes, und das kann unabhängig von der Uhrzeit sein. Schriftlich taucht das Wort in verschiedener Schreibweise vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts auf, etwa im Hauskalender Ostfreesland 1924 oder bei dem Finkenwerder Schriftsteller Gorch Fock (wirklicher Name: Johann Wilhelm Kinau), Ludwig Frahm und anderen, dort allerdings zum Teil wieder eingedampft auf die Bedeutung „guten Morgen“; denn auch ein Schriftsteller muss die Herkunftsgeschichte eines Wortes nicht kennen, wenn er es benutzt, er kann es neu deuten – so wie alle anderen Sprachbenutzer auch.

Hauptsächlich gibt es diesen Gruß im Norden Deutschlands (Schleswig-Holstein), im Süden Dänemarks, (was kein Wunder ist, zumal Dänemark ja früher bis nach Altona (Hamburg) reichte), aber auch in Ostfriesland und Hamburg. Um 1900, im Süddänischen noch bis 1960, wurde „Moin“ oder „Morgen“ hingegen beargwöhnt, von deutschen Handwerkern importiert worden zu sein, und wurde daher von einigen nicht gern gehört – fremdeln gegenüber bestimmten Wörtern aus nationaler Motivation gab und gibt es wohl auf der ganzen Welt. Andererseits kann man auch recht gut belegen, dass das Wort von Berliner Arbeitern und Wehrpflichtigen nach Norddeutschland getragen wurde, also vielleicht gar nicht hier entstand.
Das Wort ist zudem auch im Niederländischen und Flämischen zu finden. Eine Zeitlang, im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, kann man diesen Gruß auch in bestimmten Städten und Regionen in der Schweiz bei Arbeitern, Schülern und Studenten belegen, wo er dann aber, bis auf lokale Ausnahmen, wieder verschwand. Nicht nur in Norwegen und den Baltischen Ländern, sondern auch in der Sprache der Kaschuben (Nordpolen) ist dieser Gruß verbreitet und nachweisbar.

Entgegen dem Wunsch vieler Gemüter in Vergangenheit und Gegenwart ist es also auch hier so, dass es keinen eindeutigen Ursprung und dann eine geradlinige Ausbreitung eines Wortes gibt (Ein solcher Nachweis war selbst bei der Vogelgrippe nicht ganz einfach, wo es sich um einen sehr überschaubaren Zeitraum und naturwissenschaftlich eindeutige Merkmale handelte): Es gibt keine Besitzer oder Urheber einer Sprache, weil diese als Gemeingut an vielen Orten gleichzeitig genutzt, in ihrer Bedeutung verändert, weitergetragen und womöglich auch wieder vergessen wird. Die lebendige Sprache ist in ihrer Veränderung spannend, als Herkunftsnachweis oder Volksgruppenbildungskriterium ist sie viel zu unbeständig und ungeeignet.

Inzwischen gibt es weitere Ableitungen, wie z. B. „Moinsen“, und das wird oft von Jugendlichen gebraucht. Vielleicht hat das „-sen“ hinten dran etwas mit norddeutschen oder dänischen Namen zu tun: so gibt es z. B. Petersen, Christiansen oder Johannsen; warum dann nicht auch Moinsen. Weiterhin gibt es Moinsen als Trinkspruch, anstelle von Prost oder Prosit. Während „Prosit“ übersetzt werden kann mit „es nütze oder es sei zuträglich“ könnte man „Moinsen“ herkunftsorientiert übersetzen mit „guter Sohn“ (moin=gut und sen=abgeleitet von son=Sohn). Wie dem auch sei, und ob jeder Benutzer das auch so sieht, sagt man Moinsen zum Getränk, hat das immer was Positives.

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