Als grünes Paradies war der Garten schon immer für viele Menschen ein geschätzter Ort der Entspannung. Im Rahmen von Urban Gardening pflegt man auch in großen Metropolen den Garten. Seit einigen Jahren haben ihn nun auch die Philosophen die Philosophie des Gärtnerns für sich entdeckt. Wir verraten Dir, was es mit dieser Entwicklung auf sich hat.

Wie der Philosoph zum Garten kommt

Nicht jede Philosophie beschränkt sich auf den Elfenbeinturm. Das Denken vieler großer Denker war seit jeher an die Gesellschaft und die Frage der Praxis zurück gebunden. Viele dieser Denker haben sich auch immer wieder mit der Frage nach dem guten Leben beschäftigt. Bei Fragen wie diesen war der Garten immer wieder ein besonderer Anschauungsraum. Seit der Entstehung von Gärten waren sie immer kleine Paradiese. Auf einem abgegrenzten kleinen Raum sollte dabei die Gesamtheit der großen Welt im Kleinen eingerichtet werden.

Bereits beim französischen Philosoph und Sozialwissenschaftler Michel Foucault findet sich der Hinweis, dass der Garten einen utopischen Gehalt hat. Er bietet seinen Nutzern einen anderen Ort, der sich von der Welt bewusst unterscheidet. Den Philosophen wiederum bietet er einen besonderen Raum, in dem sich das Nachdenken über die Welt spiegelt. Damit handelt es sich um ein ideales Anschauungsmaterial für Philosophen.

Der Garten als ganz besonderer Ort

Der Garten hat aber auch eine praktische Komponente. Sie lässt sich nachvollziehen in einem Buch, das der Philosoph und Kulturwissenschaftler Byung-Chul Han kürzlich herausgegeben hat. Der in Berlin lebende Philosoph hat über Jahre hinweg einen kleinen Garten gepflegt. Die Praxis dieser besonderen Sorge um die Pflanzen seines Gartens reflektiert Han in seinem Buch. Über die Jahreszeiten blüht und verblüht der Garten wieder. Jede Pflanze hat ihre individuellen Eigenschaften und ihren besonderen Platz im Lauf der Jahreszeiten. Indem wir uns um den Garten kümmern, pflegen wir nicht nur diese Pflanzen. Es ist auch eine Pflege unserer eigenen seelischen Verfassung.

Was wir dem Garten geben, gibt dieser uns zurück. Und die Landschaft lässt uns dabei an ihrer eigenen Zeit teilhaben: Obwohl die Blumen verblühen, treibt der Frühling jedes Jahr die Pflanzen wieder neu aus. Vergänglichkeit und Ewigkeit wird in der Gartenarbeit gleichermaßen deutlich. Die Philosophie des Gärtnerns besteht darin, dass der Gärtner auf seine Gartenarbeit reflektiert. Die dabei verrichtete Tätigkeit der Philosophen verbindet Arbeit mit den Händen mit geistiger Tätigkeit auf einem überaus hohen Niveau. Da jedoch nicht nur Philosophieprofessoren sich um Gärten kümmern, erweist sich der Garten hier als ein besonders weites Feld. Die Philosophie des Gärtnerns zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Philosophie einem besonders breiten Publikum zugängig macht.