Erich Honecker – ein Sachse ehrenhalber

Du denkst, wenn Du den Namen Erich Honecker hörst, sicher auch sofort an die „Doitsche Demkratsche Repüblik“. Oder „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf“. Also das sächsisch klingende Genuschel, das das ZK Oberhaupt angeblich nutzte. Stimmt das, bzw. warum gilt Honecker trotz seiner Herkunft als der ewige Sachse?

Fakt ist nun einmal, dass sich Erich Honecker eine ganze Zeit, als Kind und junger Erwachsener im Saarland aufhielt, wo man ganz sicher nicht sächselt. Dann war er aufgrund seiner steilen Karriere in der DDR auch eher in den „guten“ Gegenden Berlins zu finden, wo man auch nicht unbedingt sächselt. Nun fragst Du Dich sicher auch, weshalb man immer sofort besagtes Sächseln beim Gedanken an Honecker vor dem geistigen Ohr hat, und auch jede Persiflage ihn mit diesem Dialekt zeigt.

Zu vermuten ist, dass dieser Dialekt auf seinen Ziehvater Walter Ulbricht zurück zu führen ist, der, wie man in vielen Filmen sehen bzw. hören kann, tatsächlich sehr stark sächselte. Erich Honecker blieb vermutlich gar nichts Anderes übrig, als den Ulbricht´schen Tonfall zu imitieren, damit er ernst genommen wurde.

Sächsisch als führender Dialekt der DDR

Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass nicht das Berlinerische, also der Dialekt, den man in der „Hauptstadt der DDR“ Ostberlin, sprach und noch spricht, sich zum Dialekt der Wahl entwickelte. Sächsisch entwickelt sich zu dem „Must have“ Dialekt der Funktionäre, den sich auch solche Leute aneigneten, die eher fern von Sachsen aufgewachsen waren bzw. lebten. Die große Dominanz sächsischer Funktionäre lässt sich vielleicht jetzt nicht mehr beweisen, aber Fakt ist, dass Sächsisch zu einer Art Amtssprache wurde, die alle sprachen, die etwas im Regime zu sagen hatten – also ganz sicher auch Erich Honecker.

Sächsisch – die Sprache der Autorität

Dialekte sind ja ein spannendes Thema, sie stecken an, sie teilen die Menschheit. Und wenn sich Erich Honecker so einfach von seinem saarländischen Heimatdialekt trennte, gibt es dafür sicher mehrere Gründe. Er nahm an, er übernahm, er wollte mithalten etc. Und wenn man sich die letzten Reden vor Ohren führt, die er gegen Ende des Regimes schwang, hallt auch heute noch das Zischeln durch das Gehör. Sächsisch, auch wenn wir es manchmal relativ unangenehm finden, war eben die Sprache der Autorität, die Sprache der Macht. Und die beherrschte Erich Honecker wie kein Zweiter in seiner Zeit.