Vulkane als Endlagerstätten – ist es realistisch den ganzen Atommüll in einem Vulkan zu versenken?

Müll ist die hässliche Kehrseite des Fortschritts. Je besser es den Menschen geht, um so mehr Müll produzieren sie. Radioaktiv verseuchte Rückstände aus Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Inzwischen treiben auf den Ozeanen ganze Inseln aus Müll und selbst im Trinkwasser finden Experten Mikroplastik.

Ab in den Vulkan mit dem Atommüll!

Wäre so etwas wirklich machbar? Wenn man etwas auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen will, versenkt man es doch im Schlund eines Vulkans, oder? Wäre so eine Lösung wirklich praktikabel, hätten Experten sie schon längst vorgeschlagen. Gegen einen Vulkan als Endlager sprechen gleich eine ganze Reihe von Gründen.

Atommüll ist radioaktiv. Diese Radioaktivität klingt erst nach sehr langen Zeiträumen (Hunderttausende bis Millionen von Jahren) ab. Bis dahin muss der Atommüll so gelagert werden, dass er nicht mit der Außenwelt in Kontakt kommen kann. Dafür ist ein Vulkan jedoch der denkbar ungeeignetste Ort, weil er die unangenehme Eigenschaft hat, von Zeit zu Zeit auszubrechen. Dann passiert genau das, was Experten unbedingt vermeiden wollen: der Atommüll wird in die Umgebung freigesetzt.

Zur Endlagerung eignen sich nur Orte, an denen keine geologischen Aktivitäten stattfinden und wo der Atommüll ungestört lagern kann. Bis jetzt haben Experten dafür Salzstöcke oder dicke Schichten von Granit ins Auge gefasst.

Radioaktivität kann nicht gestoppt werden

Ein andere Grund, warum Vulkane nicht als Endlager für Atommüll in Frage kommen, liegt in der Natur der Radioaktivität. Sie wird durch den Zerfall der Atomkerne verursacht, der von außen nicht beeinflusst werden kann. Radioaktiver Abfall kann nicht neutralisiert werden, indem man ihn verbrennt oder verflüssigt bzw. verdampft.

Durch solche Maßnahmen wird nur erreicht, dass der Atommüll und die darin enthaltene Radioaktivität freigesetzt wird. Die einzige Möglichkeit, die Gefährdung durch Atommüll zu minimieren besteht darin, ihn einzukapseln und von der Umwelt zu isolieren. Im Laufe der Jahrtausende lässt die Strahlung von allein nach.

Wie sieht das bei gewöhnlichen Müll aus?

Theoretisch könnte man gewöhnlichen Müll in einen aktiven Vulkan werfen, wo er verbrennen würde. In der Praxis lässt sich so ein Vorhaben aber nicht realisieren. Das liegt zum Beispiel daran, dass es sehr viel Müll, aber (zum Glück) nur relativ wenige aktive Vulkane gibt, die zudem in bestimmten Zonen konzentriert sind. Die meisten Vulkane liegen weit abseits von größeren Orten und Industriestandorten in unwegsamen Gegenden. Der Transport riesiger Mengen Müll dorthin wäre logistisch nicht zu bewältigen. Zudem sind die meisten Vulkane nicht ständig aktiv, sondern brechen in langen Zeitabständen aus, die manchmal Hunderte von Jahren betragen.

Bei der Aktion „Müllverbrennung im Vulkan“ muss zudem bedacht werden, dass ein aktiver Vulkan unberechenbar ist und zu den gefährlichsten Orten der Welt gehört. Außer Vulkanologen oder einer Handvoll abenteuerlustiger Touristen hält sich dort niemand freiwillig auf.

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