Öffentliche Prozesse mit Geschworenen haben in den USA Tradition. Spektakuläre Fälle werden in allen bekannten und unbekannten Medien übertragen und sichern hohe Einschaltquoten. Anwaltsserien und Kriminalsendungen, die in Deutschland ausgestrahlt werden, zeigen weitgreifende Plädoyers und Juryentschlüsse, die über Schuld und Unschuld entscheiden. Wie funktioniert das Geschworenengericht und ist bei jedem Prozess die Anwesenheit von Geschworenen notwendig?

Das Geschworenengericht als Verfassungsrecht in den Vereinigten Staaten

Im VII. Verfassungszusatz der Vereinigten Staaten ist festgelegt, dass jeder angeklagte Bürger der USA das Recht hat, in einem Prozess vor einem Geschworenengericht gehört zu werden. Dieses Recht gilt für Strafprozesse und Zivilprozesse.

Wie kommt es zur Anrufung des Geschworenengerichts?

Besteht in den USA der Verdacht auf eine Straftat, wird gegen den Angeklagten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. In diesem Verfahren werden von der Staatsanwaltschaft und der Polizei Beweise gesammelt, um zu erkennen, ob eine Straftat vorliegt.

Spricht das Ermittlungsverfahren für eine Straftat, reicht die Staatsanwaltschaft Klage ein. Bei extrem schwerwiegenden Vergehen ist es unter Umständen erforderlich, das eine Grand Jury über die Klageerhebung entscheidet. Ob die Grand Jury befragt werden muss, ist abhängig von der Schwere des Vergehens und vom Bundesland.

Zusammensetzung und Aufgaben von Grand Jury und Jury!

Eine Grand Jury entscheidet über die Eröffnung eines Strafverfahrens. Sie besteht aus zwölf bis dreiundzwanzig Personen und ist nicht öffentlich. Reichen dieser Jury die Beweise zur Anklageerhebung aus, wird das Gerichtsverfahren eröffnet.

Die Jury des eigentlichen Verfahrens besteht aus zwölf Personen. Zusammen mit dem Recht auf ein Geschworenenverfahren hat jeder amerikanische Bürger die Pflicht, als Geschworener zur Verfügung zu stehen. Die Geschworenen entscheiden nach Vorlage aller Beweise über Schuld und Unschuld. In ein paar Bundesländern der USA fällen sie das Urteil. In anderen ist für das Urteil der Richter zuständig.

Die Personen, die zur Jury gehören, werden von Staatsanwaltschaft und Verteidiger ausgesucht. Alle Parteien müssen zustimmen, ob eine bestimmte Person in die Jury aufgenommen wird. Grundsätzlich dürfen die Jurymitglieder keine Kenntnis über die zu verhandelnde Strafsache haben.

Die Jury muss nach Anhörung der Zeugen und Vorlage der Beweise über den Angeklagten entscheiden. Es sind zehn der zwölf Stimmen erforderlich, um ein Urteil zu fällen.

Die Jury tagt, bis sie zu einer Entscheidung gekommen ist oder das Verfahren ist gescheitert.

Die Aufgabe des Richters

Der Richter beaufsichtigt den Prozessverlauf und entscheidet, ob Beweise zugelassen werden.
In den meisten Bundesländern ist der Richter für die Zumessung der Strafe verantwortlich. In abweichenden Bundesländern entscheidet die Jury über das Strafmaß. Fällt eine Jury eine Entscheidung, die gegen geltendes Recht verstößt, kann der Richter diese Entscheidung aufheben. Einen Freispruch durch die Jury kann der Richter nicht beeinflussen.

Absprachen entlasten das Geschworenengericht!

Obwohl jeder Beklagte das Recht auf die Anhörung vor dem Geschworenengericht hat, kommt es in den meisten Fällen nicht zu einem derartigen Prozess. In etlichen Fällen treffen Staatsanwaltschaft und Beschuldigter eine Absprache. Bei diesen Einigungen bekennt sich der Angeklagte vor einem Richter schuldig und die Staatsanwaltschaft bietet im Gegenzug eine deutlich geringere Strafe an. Für alle Beteiligten ist dies häufig deutlich günstiger als ein langwieriger Prozess.