Ist von den Mormonen die Rede, ist meist die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (kurz HLT) gemeint, welches die größte mormonische Konfession darstellt. Es gibt jedoch heute etwa 70 verschiedene mormonische Glaubensströmungen. Ihnen allen ist gemein, dass sie ihren Glauben anders als die Christen nicht auf der Bibel allein fußen, sondern zudem das Buch Mormon zurate ziehen.

Die wichtigsten Unterschiede

Während Christen der Überzeugung sind, dass ihre Glaubensgrundsätze mit dem Neuen Testament abgeschlossen seien, berufen sich mormonische Glaubensgemeinschaften auf neuere ergänzende Werke, welche erstmals zwischen 1827 und 1835 von Joseph Smith veröffentlicht wurden. Diesen Werken folgend, erkennen die meisten Mormonen anders als Christen die Dreifaltigkeit Gottes nicht an. Stattdessen werden Gott, Jesus Christus und der Heilige Geist als voneinander unabhängige Entitäten betrachtet. Entsprechend wird das Kreuz als Glaubenssymbol und Symbol für die Dreifaltigkeit meist abgelehnt.

Außerdem verlockt im mormonischen Glauben die Möglichkeit, nach dem Tod zu göttlicher Würde aufsteigen zu können. So wie Gott selbst einmal ein Mensch gewesen sei, wäre es theoretisch jedem möglich selbst zu einem Gott heranzureifen. Die christliche Klausel, welche nur einen einzigen Gott anerkennt, gerät demnach ins Wanken. Dennoch bezeichnen sich Mormonen selbst als strenge Christen, während das Christentum dem widerspricht.

Der Umgang der Momonen mit dem Tod und der Bestattung

Mormonen, insbesondere jene, die der HLT angehören, legen einen besonders hohen Wert auf den Familienzusammenhalt. Häufig übernehmen das Einkleiden des Verstorbenen daher Familienmitglieder oder wenigstens Angehörige der Kirchengemeinde. Dabei wird eine weibliche Verstorbene von Glaubensschwestern und ein männlicher Verstorbener ausschließlich von Glaubensbrüdern mit der rituellen Wäsche eingekleidet. Eine Schlüsselrolle kommt dem Garment zu, einer religiös bedeutsamen Unterwäsche. Das Einkleidungsritual soll den Verstorbenen auf die kommende Segnung durch Gott vorbereiten.

Die Bestattung selbst verläuft verhältnismäßig unpompös. Während bei der Trauerfeier noch klassische Stücke oder spezielle Lieder aus dem Gesangbuch der Mormonengemeinde gespielt werden ist das Singen am Grab tabu. Ebenso sind Kerzen kein Teil mormonischer Bestattungszeremonien. Letzteres hat einen recht pragmatischen Hintergrund. Die Gotteshäuser der Konfession sind versicherungstechnisch nicht gegen offenes Feuer abgedeckt. Wo bei christlichen Trauerfeiern das Kreuz als wichtiges göttliches Symbol zum Einsatz kommt, wird bei den Mormonen darauf ebenfalls ganz verzichtet. Auch die Feuerbestattung ist anders als bei Christen unüblich und soll nicht durchgeführt werden.