Es mag verwundern, warum fast ausschließlich Tauben für die Zustellung von Briefpost genutzt worden und werden, obwohl andere Vögel scheinbar viel wendiger und schneller unterwegs zu sein scheinen. So sind zum Beispiel Schwalben wahre Flugakrobaten, welche jedoch soweit bekannt nie als Postboten in Betracht gezogen worden sind. Doch warum ist das eigentlich so?

Brieftauben – die unterschätzten Sprinter

Schaut man einer Rauchschwalbe bei der Jagd oder Balz am Himmel zu, erscheinen die Geschwindigkeiten, die sie dabei erreichen beeindruckend. Wenig und agil stellen sie flinken Insekten nach und vollführen dabei halsbrecherische Manöver in der Luft.

Immerhin 95 km/h können die kleinen Flieger dabei erreichen. Doch wen diese Geschwindigkeiten schon beeindrucken, der wird vom Tempo, welches Brieftauben vorlegen, überrascht sein. Geschwindigkeiten von 100 km/h sind für die eher gemächlich wirkenden Vögel nur gewöhnlicher Durchschnitt. Auf Kurzstrecken können auch 125 km/h und mehr erreicht werden, sodass eine Brieftaube jede Schwalbe im Flug locker abhängen könnte.

Zudem ermüdet die eher kräftige Taube nicht so leicht durch das Extragewicht der transportierten Botschaft, als die viel kleinere Schwalbe. Distanzen von bis zu 1000 Kilometer oder mehr kann eine Brieftaube überwinden. Doch das ist noch keine Erklärung dafür, warum nicht andere vergleichbar große Vögel in Betracht gezogen worden sind, um Nachrichten zu überbringen

Heimatverbunden und treu

Eine weitere einzigartige Eigenschaft der Tauben prädestiniert diese Vögel zum perfekten Transportboten. Tauben sind extrem standorttreu und setzen alles daran, zu ihrem Heimatstandort und ihrem Partner zurückzukehren. Dabei kommt ihnen ein noch nicht vollständig aufgeklärter Orientierungssinn zugute, der auf der Wahrnehmung von magnetischen Feldern beruht.

So finden an einem fremden Ort ausgesetzte Vögel zielsicher zu ihrem Heimatschlag zurück, selbst wenn sie diese Strecke noch nie zuvor geflogen sind. Entsprechend ist eine Brieftaube ein zuverlässiger und schneller Nachrichtenübermittler, der jedoch nur eine einzige Adresse beliefert. Es müssen also Tauben, welche am gewünschten Zielort heimisch sind, vorhanden sein, um eine Botschaft an diesen Ort senden zu können. Bereits die alten Ägypter 1000 Jahre vor Christus erkannten das faszinierende Potenzial der Tauben und nutzten sie, um wirtschaftliche, politische und militärische Botschaften zu übermitteln.

Bis in den ersten Weltkrieg waren Brieftauben ein beliebtes Mittel, um Informationen schnell und über längere Strecken zu transportieren. Mit dem zunehmenden Einsatz von Telegrafie und später Telefonie schwand die professionelle Bedeutung der Tauben. Heute hat die Brieftaubenzucht noch eine Bedeutung als ein beliebtes Hobby, bei dem Tauben verschiedener Halter und Züchter in Rennen gegeneinander antreten.