Was ist eine Hybridzüchtung?

In der Biologie ist eine Hybride ein Individuum, welches aus einer Kreuzung zwischen verschieden Arten, Rassen oder Gattungen hervorgegangen ist (das bekannteste ist das Maultier, gezeugt von Pferd und Esel).  Speziell in der Zucht spricht man von Hybriden bei den Nachkommen verschiedener Rassen oder Zuchtlinien. Hybriden gibt es sowohl bei Pflanzen (Hybridmais, Hybridroggen, Tomaten u.a.) als auch bei Tieren (Hybridhuhn, Hybridschwein).

Beginnen wir unsere Erklärung erst einmal mit der Inzuchtlinie und dem Heterosiseffekt: Bei der Inzuchtlinie handelt es sich um eine nahezu reinerbige Nachkommenschaft einer Pflanze oder eines Tieres. Beim Heterosiseffekt werden zwei Inzuchtlinien gekreuzt, und daraus gehen Hybriden hervor. Diese Hybriden sind meist stärker, größer, leistungsfähiger und widerstandsfähiger als die Elternlinien, das ist ja der Zweck dabei.

Die Hybridzüchtung bei Pflanzen

Als erstes müssen Züchter reinerbige Inzuchtlinien aus Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften herstellen. Das ist sehr aufwändig und kompliziert; so darf es nicht zu einer unkontrollierten Vermehrung kommen. Die Generationsfolge wird entweder durch Selbstbefruchtung oder durch Kreuzung eng verwandter Individuen bestimmt. Um reinerbige Ausgangslinien zu erhalten, müssen sich bei Pflanzen, z. B. der Roggenzüchtung, die Pflanzen über mehrere Generationen selbst befruchten.

Bei der Hybridzüchtung legt der Züchter fest, welche Inzuchtlinie als Mutter und welche als Vater eingesetzt wird: Es entstehen Linien (A) die keine Pollen haben und Linien (B), die über Pollen verfügen. Linie B bestäubt dann Linie A,  und es entsteht wieder eine Linie (AxB) die wiederum keine Pollen hat. Dann kommt die Vaterlinie ins Spiel (C), deren Aufgabe es ist, die Pollenfruchtbarkeit mit seinem Restorer-Gen wieder herzustellen. Dabei heraus kommen dann die Hybride (ABC), die nun mischerbig sind. Die Hybridzüchtung ist aufwendig und benötigt viel Zeit. Der große Vorteil ist aber, dass dadurch sehr gute und widerstandsfähige Pflanzen mit einheitlich hoher Qualität entstehen. Die Ernten sind viel ertragreicher.

Nachteil ist, dass bei Nachfolgegenerationen die genannten Leistungsvorteile wieder verlorengehen. So muss Hybridsaatgut jedes Jahr neu erstellt und erworben werden. Das ist wirtschaftlich gut für den Züchter und den Saatguthändler, aber unter Umständen schlecht für den Bauern, weil er jedes Jahr neues Saatgut kaufen muss und von dessen Lieferung bzw. den technologisch hochentwickelten Lieferanten abhängig wird.

Die Hybridzucht bei Tieren

Die Hybridzüchtung kommt ebenfalls im Tierreich vor, hier vor allem bei Schweinen und Geflügel. Inzwischen stammen ca. 90% aller Schweine aus der Hybridzucht.

Durch Inzucht wird die Reinerbigkeit erhöht. Dabei manifestieren sich zunächst positive und negative Merkmale gleichermaßen. Durch die starke Inzucht werden Nachkommen immer schwächer und krankheitsanfälliger. Auch hier: kreuzt man zwei durch Inzucht entstandene Individuen, so zeigen die Nachkommen oft eine besonders hohe Leistungsfähigkeit. Die Hybriden entsprechen den Züchtungszielen. Das können zum Beispiel Legeleistung, Wüchsigkeit, d.h. mehr Fleisch, starke Gesundheit, u.a. sein. Auch hier ist es so, dass die Eigenschaften der Hybriden nicht vererbbar sind, und somit eignen sich Hybriden auch nicht zur Weiterzucht: Es müssen ständig neue Hybridtiere aus den Ausgangskreuzungen gewonnen werden.

Hybridzüchtung: Nutzen aber auch Risiken

Zusammenfassend kann man sagen, dass entsprechend der Züchtungsziele der Heterosiseffekt genutzt wird, um Hybriden entstehen zu lassen und so Nutzpflanzen und Nutztiere widerstandsfähiger und ertragreicher zu machen.

Das, so sagen die Befürworter, kann der Menschheit nützen, vielleicht in Bezug auf Hungersnöte. Auch wenn Hybridzüchtung von sich aus nichts mit Genmanipulation zu tun hat, kann dadurch langfristig auch Schaden entstehen, weil z.B. alte Rassen und Gattungen aussterben könnten.

Wenn die verbliebenen dann z.B. gegenüber einer neuen Krankheit oder einem neuen Schädling nicht widerstandsfähig sind, hat man erst einmal vielleicht keine Alternativen mehr, aus denen man den neuen Gegebenheiten gegenüber angepasste Arten züchten kann.

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