Getreide ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Deutschen. Aus ihm werden Brot, Kuchen und andere Teigwaren hergestellt. Besonders beliebt ist Weizen, überall in Deutschland findet ihr riesige Felder auf dem die goldgelben Ähren angebaut werden. Doch wusstet ihr zum Beispiel, dass Getreide und Weizen im Speziellen gar nicht aus Europa kommt?

Die Geschichte des Weizens

Weizen und die meisten anderen Getreidesorten gehören zu der Familie der Gräser. Erste Funde von vom Menschen kultivierter Getreidepflanzen werden auf bis zu 10.000 Jahre zurückdatiert. Damals wurden vorwiegend die Weizensorten Einkorn und Emmer angebaut. Weizen ist damit übrigens nach Gerste die zweitälteste, vom Menschen kultivierte Getreideform. Doch die Funde wurden nicht im heutigen Europa gemacht, sondern gehen auf die Mesopotamier zurück, welche im Randgebiet des heutigen Iraks sesshaft waren. Schnell fand das Getreide Anklang im gesamten vorderasiatischen Raum und breitete sich schon bald über ein riesiges Gebiet aus (beispielsweise das heutige Syrien, die Türkei bis hin nach Kasachstan).

Weizen in Europa

Die ersten belegten Funde von Formen des Nacktweizen (dem heute üblichen Weizen) in Europa gehen auf den westmediterranen Raum, also das heutige Italien und die Mittelmeerküste Frankreichs und Spaniens, zurück. Schätzungen zufolge kam der Weizen um etwa 5000 v.Chr das erste Mal nach Europa. Nach einer ersten Ausbreitung nach Mitteleuropa, verlor der Weizenanbau wieder an Bedeutung und begrenzte sich lediglich auf das Gebiet des Oberrheins und der heutigen Schweiz. Dies änderte sich erst im 11. Jahrhundert mit der Entwicklung des Weißbrots. Weizen wurde plötzlich zum Grundnahrungsmittel in Europa – schmackhaft, günstig und einfach zu verarbeiten.

Die Entwicklung des Weizens

Weizen kam ursprünglich in der Natur als Einkorn vor, welcher sich auch heute noch als Wildform in der Natur finden lässt. Durch Selektion der geeignetsten Exemplare konnte dieser Weizen domestiziert werden. Durch die Kombination mit anderen Wildgräsern wurde bereits in der frühen Menschheitsgeschichte die Weizensorte Emmer geschaffen. Durch gezielte Zucht wurde diese dann zu den heute bekannten Arten wie Hartweizen oder Kamut. Allerdings ist der in Deutschland am weitesten verbreitete Weichweizen eine, relativ gesehen, sehr junge Art, die genetisch nicht mehr viel mit seinen urzeitlichen Verwandten gemein hat.

Die Bedeutung von Getreide für den Menschen

Verschiedene Wildgetreidesorten werden von Menschen schon seit über 32.000 Jahren konsumiert. Die erste domestizierte Getreideform war dann die Gerste. Erste Nutzungen dieses Getreides lassen sich über 17.000 Jahre zurückdatieren. Sie ist damals aus der im Nahen Osten verbreiteten Wildgerste hervorgegangen. In vielen Gebieten wie beispielsweise im alten Ägypten war Gerste daraufhin das wichtigste Grundnahrungsmittel und spielte damit eine große Rolle in der Entwicklung menschlicher Zivilisationen.

Generell hatte Getreide aller Art einen großen Einfluss auf die Menschheitsgeschichte. Getreide half dabei, die Viehzucht auszubreiten, da es billiges Futter für die Tiere darstellte. Sie diente dazu, große Menschenmassen zu ernähren und lange Zeit prägten Mühlen daher das Landschaftsbild Europas. Und auch noch heute sind Produkte aus verschiedensten Getreidesorten nicht mehr aus unserer Ernährung wegzudenken. Ohne die Kultivierung der Wildformen von Getreide würde unsere Welt heute definitiv anders aussehen.