In Pisa gibt es rund um den Domplatz viel Merkwürdiges zu entdecken. Auch wenn man sich Zeit und Geld spart und den schiefen Turm selbst nicht besichtigt. Hier findest du Tipps zu den Sehenswürdigkeiten beim Domplatz von Pisa . Genauer: meine Favoriten in umgekehrter Reihenfolge.

Platz 4: Der Domplatz Piazza del Duomo

Der Platz selbst vor dem schiefen Turm von Pisa heißt Piazza del Duomo (Platz des Herrn). Auf deutschen Karten wird er oft einfach „grüner Platz“ genannt. Hier findet man als erste Sehenswürdigkeit von Pisa eine Kuriosität und ein bezeichnendes Zeitzeugnis. Man kann hier nämlich Reihen von Touristen fotografieren, die, gleichförmig wie beim Tai Chi in einem volkschinesischen Park, den rechten Arm mit aufwärts abgewinkelter Hand ausstrecken. So soll es im Selfie oder Fremdfoto dann aussehen, als stützten sie jenen Turm. Aber kreativ oder originell ist das mittlerweile nicht mehr.

Da geht fast unter, dass es hier jede Menge Kultur zu sehen gibt. Man muss sich gar nicht in die endlose  Polonaise zur Turmbesichtigung einreihen. Denn dort muss man lange warten, weil alle hinein wollen, aber die Besucherzahl beschränkt ist. Außerdem ist der Aufstieg eng und die Aussicht oben in  all dem Gedrängel nicht so besonders. Viel Interessanteres gibt es aber daneben zu sehen. Eigentlich ist der ganze Domplatz von Pisa mit den daran  verteilten Gebäuden ein harmonisches Gesamtkunstwerk, wenn man sich die peinlichen Poser mal wegdenkt. Schließlich können die damaligen, sehr originellen Künstler nichts für die heutigen Ego-Clownerien.

Platz 3: Das Baptisterium

Da ist zum einen das Baptisterium. Aufgrund seiner runden Kuppel ist seine Akustik berühmt. Man kann nur hoffen, dass sie gerade von guten Sängern ausprobiert wird, wenn man da ist. Dort stehe auch einige große, gotische Skulpturen. Aber sieh einmal genau hin: Am Fuß der Säule links nagen tatsächlich Ratten (steinerne natürlich)! Ratten, verewigt in einer Kirche? Die sollten nach damaliger Auffassung in vielen kirchlichen Gebäuden böse Geister vertreiben helfen. Obwohl es die ja nach der christlichen Lehre gar nicht gab.  Aber konnte man sich da ganz sicher sein? Trotz aller Aufklärung finden sich daher bei vielen Kirchen auch außen an den Dachrändern viele gar schröckliche Gestalten, die die bösen Geister abhalten sollten. Z.B. in dem alten Film „Der Glöckner von Notre Dame“ bekommt man davon einige zu sehen.

Von der umlaufenden Balustrade oben hat man einen guten Foto-View auf Domfassade und Turm, ansonsten ist sie nicht wirklich lohnend. Und was war nun der Sinn der Location und der Anordnung der Gebäude? „Baptisterium“ kommt von griechisch ‚baptein‘ = taufen, heißt also so viel wie Taufgebäude. Wenn man hier getauft worden war – und natürlich hierarchisch wichtigwichtig genug, als kirchlicher oder weltlicher Würdenträger –  , konnte man auf direktem Weg über den Domplatz zum Dom rüberprozessieren, um dann dort das Abendmahl zu empfangen und für die weiteren üblichen Riten.

Platz 2: Der Dom oder die Kathedrale

Der Dom heißt Santa Maria Assunta, frei übersetzt also Heiliger Mariä Empfängnis.

Du solltest Dir Zeit zum Ansehen nehmen, auch innen, notfalls ein wenig warten! Am beeindruckendsten für mich waren dort die Figuren der Frauengruppe links hinter der Kanzel: Da ist keine wie die andere. Vielmehr findet man ganz  unterschiedliche Charaktere oder auch Rollenvarianten in den einzelnen Gestalten, d. h. alles in allem ein erstaunlich differenziertes Frauenbild. Dabei ist wortwörtlich am stärksten natürlich die junge Frau, die einen Löwen an seiner Hinterpfote hängend im Griff hat, ihn gleichsam hinter sich herzieht. Der Löwe ist nämlich seit jeher das Symbol männlich königlicher Herrschaft. Gegenüber findet sich ihr Gegenpart von Anmut und auch Verletzlichkeit –  geduckt unterwürfig aber ist hier keine.

Außenfassade: Ein Esel, Sinnbild der Dummheit, entspringt dem Dom von Pisa (Santa Maria Assunta)
Was will uns das kluge Tier sagen, das aus dem Zentrum der kirchlichen Macht auf den Domplatz springt?

Dann sieh dir auch die Kanzel an. An seiner Wand das Relief der Judas-Szene: Judas verrät Jesus bei dessen Gefangennahme an seine staatlichen Verfolger. Das Bild wirkt auf den ersten Blick chaotisch; denn es gibt sehr viele Verfolger und Beteiligte mit sehr unterschiedlichen Haltungen zu der Verhaftung vor ihren Augen. Und der Verrat selbst erscheint unten links, fast als nebensächlich. Auf den zweiten und dritten Blick entpuppt sich die Komposition als perfekt durchdacht.

Wirf unbedingt auch einen Blick von außen auf die bronzenen Eingangstore. Sie sind für eine offizielle Sehenswürdigkeit nicht ganz so ehrwürdig alt, aber es gibt originelle Motive zu entdecken. Zum Beispiel, wie der Teufel von Jesus nach dessen Versuchung vom Felsen in den Abgrund geschubst wird, und merkwürdige Tiere wie das Panzernashorn. Auch die Fassade lohnt sich zum genaueren Hinsehen, und auch hier ist einiges schwer zu deuten. An der Südostfassade (mit Blick zum Turm hin) sieht man z.B., wie ein Esel aus der Wand springt. Was wollte uns der Künstler sagen, wenn das Symboltier für Dummheit aus dem Zentrum der kirchlichen Macht auf den Domplatz ins Freie gesprungen kommt?

Platz 1: Der „höllische“ Friedhof Campo Santo Monumentale: das Beste von Pisa

Campo Santo heißt heiliges Feld, also Friedhof, und liegt hinter dem Dom, also an der Nordseite des Domplatzes. Das Faszinierendste sind hier aber nicht die Grabplatten und Figuren im monumentalen Säulen-Rundgang, sondern die bizarren, ausufernd phantasievollen Höllenszenen an den Wänden. Leider verblassen sie langsam und werden vielleicht irgendwann verschwunden sein. Auf wandgroßen Fresken erblickt man hier die Schrecken nach dem Tode. Da hält ein überdimensionierter Teufel im Multitasking-Modus seinen Betrieb am Laufen und gebiert übel Böses, diverse Höllenqualen werden phantasie- und detailvoll ausgemalt. So zum Beispiel die wie am Schaschlik-Spieß aufgereihten Sünder, und auch Schlangen-Phobiker kommen da voll auf ihre Kosten. Dabei mangelt es nicht an Hinweisen, dass auch Mönche und Mächtige ihrer gerechten Strafe, zumindest im Jenseits, nicht entgehen. In ihren Särgen warten sie da vereint auf ihre Verwesung. Auch viele kleine Teufeltiere gibt es zu entdecken.

Hölle: Szene mit Teufel im Campo Santo von Pisa
Campo Santo: Teufel bei der Berufsausübung (Foto bearbeitet)

Kurz: Höllisch gut, braucht einen Vergleich mit dem bekannten Höllenszenen-Maler Hieronymus Bosch nicht zu scheuen. Praktischer Tipp: Leider sind die Fresken schon recht verblasst. Man kann sie fotografieren, dann im Bearbeiten-Menü die Kontraste erhöhen und sich so vergegenwärtigen, was gemeint war. Noch! – Bevor sie vielleicht bald ganz verschwunden sind.

Fazit

Es lohnt sich, Pisa bzw. die Piazza del Duomo mit ihren Gebäuden zu besuchen. Auch wenn der schiefe Turm selbst etwas banal wirkt: Er steht halt da wie auf zahllosen Postkarten. Am besten wählt man dafür besuchsarme Jahreszeiten (z.B. November). Dann gibt es – außer beim Turm – keine Wartezeiten, man hat Platz zum Gucken. Und auch die Koberer am Rand des Platzes, die einen zu Pizza und Pasta lotsen wollen, sind fast nicht vorhanden.

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